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Was geschah mit Element X? 

Knapp 40 Jahre, nachdem es aufgelistet worden war, wurde ein Element plötzlich aus dem Periodensystem entfernt: der Äther. Namhafte Physiker wie Albert Einstein bekämpften ihn, bis er aus dem physikalischen Weltbild verschwand. Von einer mächtigen Elite scheint das so gewollt.

Der russische Forscher Juri Oganessain ist der einzige noch lebende Mensch, nach dem ein chemisches Element benannt wurde. Es handelt sich um Oganesson, abgekürzt Og. Im Periodensystem hat es die Ordnungszahl 118, also die höchste bislang bestätigte. Es ist nur wenig bekannt und es ist auch ziemlich mysteriös. Oganes – son gehört zur Gruppe der Edelgase, das aufgrund seiner hohen Kernladungszahl ungewöhnliche Eigenschaften zeigt. Es kommt in der Natur überhaupt nicht vor, kann also ausschliesslich künstlich erzeugt werden. Da es eine extreme Instabilität aufweist, ist es praktisch unmöglich, seine Eigenschaften genauer zu untersuchen. So kann man beispielsweise schwer vorhersagen, ob Oganesson tatsächlich wie ein Edelgas reagiert, denn es kann sich auch wie extrem schweres Metall verhalten. 

Dies ist nur eines von vielen faszinierenden Beispielen, auf die man stösst, wenn man sich mit dem Periodensystem der Elemente (PSE) beschäftigt. Das PSE wurde von Dmitri Iwanowitsch Mendelejew entwickelt und erstmals am 28. Oktober 1869 öffentlich vorgestellt, damals mit nur 63 bisher bekannten Elementen. Komplett ist das PSE übrigens bis heute nicht – und das wird es nach Ansicht von Fachleuten vermutlich auch niemals sein. Man denke nur an die Experimente mit Teilchenbeschleunigern, mit denen Atomkerne aufeinandergeschossen werden und so möglicherweise zu einem neuen Atomkern verschmelzen, was die Entdeckung neuer Elemente zur Folge haben könnte. Oder an die unerforschten Teile des Universums, etwa an dunkle Materie, in denen sich noch unentdeckte Elemente befinden könnten. 

Das verschwundene Element 

Hinzu kommt ein weiteres Rätsel: Es gibt ein Element, das nicht hinzugefügt, sondern aus dem ursprünglichen Periodensystem entfernt wurde. Die Rede ist von dem Element Äther, abgekürzt mit X, das im Jahre 1907 plötzlich aus der Auflistung verschwand – unmittelbar nach dem Tod von PSE-Erfinder Mendelejew. Im Jahr 1920 legte man auf einem Kongress der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Bad Nauheim nach, und sprach dem Äther die Existenz ab. Der damals anwesende Albert Einstein spielt in diesem Kontext eine wesentliche Rolle, insbesondere durch die Verbreitung seiner speziellen Relativitätstheorie (SRT), die dafür sorgen sollte, den Äther aus dem Bewusstsein der Menschheit zu tilgen. Bereits 1905 hatte Einstein in Zusammenhang mit der Veröffentlichung seines Aufsatzes «Zur Elektrodynamik bewegter Körper» notiert: «Der Äther existiert nicht.» 

Auch die moderne Physik geht davon aus, dass es den Äther überhaupt nicht gibt. Andere Stimmen sagen, dass es sich zwar um kein eigenes Element handle, aber um eine aus anderen Elementen aufgebaute Substanz. Und es gibt weiterhin Anhänger jener Äthertheorie, die bei Denkern und Wissenschaftlern jahrhundertelang vorherrschte; sie gehörte bis in das 20. Jahrhundert hinein zum festen Bestandteil des Weltbildes. Sie bezieht sich auf den von Isaac Newton postulierten «absoluten Raum», also einen physikalischen Raum, der unabhängig von einem Beobachter existiert, und auch unabhängig von den darin enthaltenen Objekten und darin stattfindenden physikalischen Vorgängen. Gemäss der Äthertheorie ist dieser jedoch nicht leer, sondern von einem absolut ruhenden Äther ausgefüllt – die Erde bewegt sich in diesem absolut ruhenden Äther um die Sonne, mit der bekannten Geschwindigkeit von rund 30 Kilometern pro Sekunde. Es bewegt sich darin auch jede Form von Materie, quasi wie ein Schiff auf dem Meer. 

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Sylvie-Sophie Schindler ist philosophisch und pädagogisch ausgebildet und hat über 1500 Kinder begleitet. Die Journalistin ist Trägerin des Walter-Kempowski-Literaturpreises und publiziert unter anderem bei der Weltwoche. 


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