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Helena Blavatsky und die Idee der «kosmischen Erziehung» 

Kettenraucherin, Weltreisende, Mystikerin. Helena Petrovna Blavatsky ist die Gründungsgestalt am Anfang der Theosophischen Gesellschaft. Und doch weniger ihre spirituelle «Anführerin», denn Ursprung einer Bewegung, die durch ihr Denken Form gewann: die Vorstellung kosmischer Evolution, karmischer Gesetzmässigkeit und einer geistigen Hierarchie von «Meistern». 

Am 12. August 1831 in Jekaterinoslaw im damaligen Russischen Kaiserreich in den Adel geboren, galt die junge Helena Petrovna von Hahn früh als sonderbar und eigensinnig. Eine ihr nahestehende Tante beschreibt sie als von «unbändigem Freiheitsdrang» beherrscht: Der leiseste Widerspruch habe Zorn hervorgerufen, mitunter sogar Anfälle mit Zuckungen – jedes Verbot sie geradezu dazu getrieben, es dennoch zu tun. Auch Kinderfrau und Familienmitglieder glaubten aufrichtig, das Kind sei von «den sieben Geistern des Aufruhrs» besessen. Vielleicht, weil sie – dem damaligen julianischen Kalender zufolge am 31. Juli geboren – jener Nacht entstammte, der man nachsagte, sie befördere Kinder mit magischen, übersinnlichen Fähigkeiten auf die Welt? 

Denn was sich hier noch als kindlicher Trotz zeigte, setzte sich später als bewusste Geste fort: Aus dem Widerstand gegen die Familie wurde ein offener Bruch mit den Erfordernissen der Gesellschaft. «Ich hasste die sogenannte Welt», schreibt Blavatsky, «wie ich jede Form von Heuchelei hasste» – und lief, wie sie selbst sagt, «Amok gegen die Gesellschaft und die etablierten Anstandsformen». So weit, dass sie sich mit 17 entschied, einen 50 Jahre älteren Oberst zu heiraten, um sich aus dem starren Elternhaus zu befreien – nur um diese arrangierte Ehe wenige Wochen später selbst zu beenden und für eine 25-jährige Odyssee durch Tibet, Indien, Ägypten und die Amerikas zu verschwinden. 

Die Wanderjahre 

Wo sich die fortan als Blavatsky durch die Welt wandernde Russin in diesen Jahren genau aufhielt, behielt sie bis zuletzt für sich: «Von meinem 17. bis zu meinem 40. Lebensjahr war ich auf meinen Reisen darauf bedacht, alle Spuren hinter mir zu verwischen … Niemand sollte wissen, wo ich war und was ich tat.» Sie begründete dies mit der Sorge, ihre Verwandten könnten glauben, sie habe sich mit ihrem Studium des Okkultismus «dem Satan verkauft». Stattdessen berichtete sie, die ohnehin seit Kindheitstagen zu medialen, spiritistischen Fähigkeiten und Erlebnissen neigt, von spirituellen «Meistern» unterrichtet worden zu sein, die in einem verborgenen Ashram im Himalaya lebten und die Entwicklung der Menschheit lenkten. Von ihnen habe sie Einsichten in Bewusstsein, Karma und kosmische Gesetzmässigkeiten empfangen. 

Von ihnen wahrhaft inspiriert machte es sich auch Madame Blavatsky – wie sie nach ihrer Ankunft in New York am 7. Juli 1873 oft genannt wurde – zur Aufgabe, die unerklärten Gesetze der Natur und die im Menschen verborgenen Kräfte zu untersuchen. Ihr Ziel war, den Menschen zu verändern: Was dient seinem Wohl? Und was – wie sie 1877 in «Isis entschleiert» der Kirche anlastet – bedient sich verzerrender Elemente, um ihn zu verführen?


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