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John Lennon – sein Vermächtnis, sein Verhängnis

85 Jahre alt wäre er im Oktober geworden, stattdessen wurde der britische Musiker John Lennon im Dezember vor 45 Jahren «von einem Fan erschossen». Es widerspricht jeglicher Lebenserfahrung, dass man einen Künstler, den man abgöttisch verehrt, einfach so niederstreckt, aber so lautet die offizielle Erzählung.

Wikipedia präzisiert zwar, dass die ursprüngliche Verehrung des angeblichen Todesschützen Mark David Chapman im Laufe der Zeit in Zorn umschlug, unter anderem aufgrund von Lennons Aussage, die Beatles seien «populärer als Jesus». Dies sorgte in den USA für einen Skandal; so fanden öffentliche Plattenverbrennungen statt und der Ku-Klux-Klan versuchte, Beatles-Konzerte zu sabotieren. Doch Chapman, der heute noch im Hochsicherheitstrakt schmort, wiederrief seine Begründung wieder: Eigentlich habe er Lennon getötet, um berühmt zu werden. Vieles spricht jedoch dafür, dass die Wahrheit nochmal ganz anders liegt.

Um die Beatles ranken sich einige haarsträubende Verschwörungstheorien: Etwa, dass ihre grössten Hits gar nicht von Paul McCartney und John Lennon geschrieben wurden – die offen zugaben, dass sie keine Noten lesen konnten –, sondern vom Philosophen Theodor W. Adorno. Oder dass McCartney 1966 starb und mit einem Doppelgänger ersetzt wurde. Oder dass die Beatles vom britischen Geheimdienst und mächtigen Tavistock-Institut eingesetzt wurden, um die «Gegenkultur» aufzubauen und die Massen zu beeinflussen.

Letztere Theorie ist besonders brisant und gar nicht so abwegig, wenn man sich die Entstehungsgeschichten von Kult-Bands und Superstars genauer anschaut. Dass diese jeweils dank einer Mischung aus Talent, Fleiss und Glück zu Weltruhm kamen, ist in vielen Fällen ein Märchen. Sehr häufig stehen hinter den musikalischen Erfolgsgeschichten schlaue Köpfe, die nicht nur die neusten «Sterne am Himmel» kreieren, sondern gleich das ganze Musikgenre drumherum inklusive dazugehörigem Kleidungsstil und entsprechender Clubszene. Dass Popgruppen wie die «Backstreet Boys» und die «Spice Girls» so entstanden, wird niemanden erstaunen. Dass sich aber auch die legendäre Punk-Band «Sex Pistols» keineswegs aus spontaner Rebellion zusammentat, sondern von Modedesignerin Vivienne Westwood und Produzent Malcolm McLaren aufgebaut wurde, schon eher. Das ist bemerkenswert, handelte es sich doch um eine der stilbildenden Vorzeigegruppen einer Subkultur, in der sich der geballte jugendliche Unmut über die Perspektivenlosigkeit der Thatcher-Ära Ausdruck verlieh. Die neue Musik-Rebellion, die sich Anarchie, Wut und Nihilismus auf die Fahnen schrieb, hatte sich nicht einfach auf wundersame Weise auf der Strasse zusammengebraut. 

Wie war das mit der Gegenkultur? 

Dass die Erfindung von Bands und Musikstilen nicht nur aus lukrativen, sondern durchaus politischen Gründen erfolgte, zeigt die seltsame Entstehung der Hippie- Kultur in einem geheimnisvollen Tal nahe Hollywood. David McGowan recherchierte für sein schauderhaftes Büchlein «Inside the LC: The strange but mostly true story of Laurel Canyon and the Birth of the Hippie Generation» minutiös darüber und verdeutlicht: «Flower Power» war keineswegs eine Bewegung «von unten», sondern eine Operation «von oben»: Die einf lussreichsten Stars der Szene – von Jim Morrison, David Crosby über Frank Zappa zu den Mamas and Papas –, kamen aus einf lussreichen Militärfamilien. Es genügte ein verschworenes Grüppchen aus Musikern, Produzenten, Künstlern und Tänzern, um den Hype loszutreten, die Initialzündung auszulösen – die Masse war schnell Feuer und Flamme, das «Phänomen» breitete sich unaufhaltsam aus. 

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