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Die Bannflüche des Kaisers Justinian

Wir wurden in der geistigen Welt als geistige Wesen geboren. Die Ursache für unser Erdendasein liegt in einer Spaltung der geistigen Welt, welche die Schaffung einer materiellen Welt nach sich zog.

Das Wort «Mensch» geht auf «Manas» zurück. Das ist Sanskrit und bedeutet «Geist». Denn was uns ausmacht, ist unser Geist und nicht die vergängliche, fleischliche Hülle. Mit dieser Hülle ist der Geist nur für kurze Zeit jeweils während unseres Aufenthalts in dieser grobstofflichen Welt verbunden. Alles Wesentliche an uns ist geistig: Das Denken, das Fühlen, der Wille, die Freude, die Trauer, die Liebe und die Hoffnung. Wir sind Geist. Der Schöpfer hat uns nach seinem Abbild geschaffen, und er ist ja kein Mensch aus Fleisch und Blut, sondern reiner Geist. Wenn wir diese Welt jeweils nach ein paar kurzen Jahrzehnten wieder verlassen, bleibt unser grobstofflicher Körper als leblose Hülle zurück und zerfällt. Der Geist jedoch lebt weiter. Das wussten schon die alten Griechen. In deren Schriften geht es nur um diese andere, die geistige Welt. In diesen Schriften wird erklärt, wie es zur Spaltung kam in Ober- und Unterwelt und weshalb eine zweite, vorübergehende Schöpfung, die grobstoffliche Welt, geschaffen werden musste als Bewährungsebene für die gefallenen Geistwesen auf dem Weg zurück in die Oberwelt. Unsere materielle Welt hat eine geistige Ursache.

Wer Platon liest, dem erschliesst sich die feinstoffliche Welt, und er erkennt die materielle Welt als deren vorübergehende, grobstoffliche Nachbildung. Unsere materiellen Sinnesorgane sind grobstoffliche Messinstrumente, mit welchen wir diese vergängliche, materielle Welt sinnlich wahrnehmen. Wir sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen sie. Natürlich verfügt auch unser geistiger Körper über Augen, Nasen, Ohren, Zunge und Haut, die es uns in der geistigen Welt erlauben, diese sinnlich zu erfahren. Deren Kraft geben sie allerdings während unseres Aufenthalts in der grobstofflichen Welt an die entsprechenden grobstofflichen Organe des fleischlichen Körpers ab.

Wie kommt Platon zu solchen Erkenntnissen? Genau genommen ist es nicht Platon, sondern sein Lehrer Sokrates, der in Platons Schriften das Wort führt. Wie also kommt Sokrates zu solcher Erkenntnis? Indem er sich der rein geistigen Messinstrumente bedient, die nicht in der Materie eingebunden sind und es uns daher erlauben, auch aus dieser materiellen Welt heraus die geistige Welt zu erkunden. Bei diesen rein geistigen Sinnen handelt es sich um die Logik, das Gewissen und die Intuition. Zusammen bilden sie unsere Urteilskraft, die Vernunft.

Die Vernunft vergleicht Sokrates mit der Sehkraft unserer Augen. Diese kann sich nur im Licht entfalten. In der Dunkelheit bleibt die Sehkraft unserer Augen wirkungslos. Die Sonne, welche das Licht spendet, ist gleichzeitig Ursache des Wachstums aller Dinge, die wahrnehmen und wahrgenommen werden.

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Andreas Thiel ist Philosoph und Filmproduzent. Seit 2018 tourt er mit seiner Vortragsreihe «Liebe, Logik und Linguistik» in der Schweiz. Derzeit produziert er zusammen mit Prof. Dr. David Dürr den zweiten Teil des Films «Kalbermatten». Auf dem Online-Sender kontrafunk.radio ist er mit seiner wöchentlichen Sendung «Böser Montag» zu hören. 


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