Wir sind nicht hier, um spirituell zu werden – wir sind hier, um uns zu erinnern
Esoterik war vorgestern. Spiritualität war gestern. Und heute?
Diese Frage begleitet mich seit der Pandemie. Viele sprechen vom Ausstieg – aus der Matrix, dem System, dem Alten. Und ja, ich verstehe den Impuls. Ich war selbst mittendrin. Und doch spüre ich: Es geht tiefer. Viel tiefer.
Denn so sehr wir nach Freiheit streben, sind wir doch noch oft gefangen – im Denken, im Vergleichen, im ewigen Suchen nach Antworten, selbst dort, wo wir keine echten Fragen mehr haben. Wir sprechen von Erwachen, und bleiben doch häufig im Kopf stecken.
Auch ich.
Auch heute noch.
Ich bin 47 Jahre alt – und ehrlich gesagt, ich weiss immer noch nicht, wer ich «wirklich» bin. Zu viele Veränderungen im Aussen, zu viele innere Anpassungen. Mein Leben verlief lange durchschnittlich: Geboren, geliebt, zur Schule gegangen – und dann rein ins System. Der erste Umbruch kam mit 27. Panikattacken, Isolation, Medikamente. Und mein erster vorsichtiger Schritt in die sogenannte Esoterik. Irgendwo dort sollten doch die Antworten liegen.
Ich lernte, dass ich Chakras habe. Dass Energie fliesst. Dass Balance wichtig ist. Neue Begriffe, neue Konzepte. Später stirbt einer meiner engsten Freunde – Hirntumor. Ich begleite ihn bis zum Schluss. Sein Wunsch: Wenn ich gehe, gehst du zu einem Medium. Ich ging. Und er war da – nur ganz anders, als ich’s erwartet hatte. Also fing ich an, selbst zu lernen, zu fühlen, zu hören.
Der dritte Umbruch kam durch einen Seelenpartner, der mich aus einer langen Beziehung holte. Heute bin ich selbstständig, habe mich neu erfunden – und blicke kritisch auf all das, was wir «spirituell» nennen.
Denn ganz ehrlich:
Spiritualität, so wie sie oft gelebt wird, fühlt sich für mich heute wie ein weiteres Konstrukt an.
Viele Frauen – mich eingeschlossen – haben die Szene als Schutzraum genutzt, als Bühne, als Ersatz für echtes Innehalten. So, wie Männer das Fitnessstudio oder das wöchentliche Autowaschen.
Aber was, wenn wir nichts mehr brauchen?
Was, wenn wir längst sind?
Ich glaube:
Wir müssen nicht spirituell werden.
Wir sind es.
Unsere Seele, unser Spirit, ist längst da – in diesem menschlichen, wunderbaren, oft chaotischen Körper.
Wir steigen nicht aus der Matrix aus. Wir erinnern uns.
An das, was in uns unsterblich ist.
Vielleicht spürst du es gerade – ein Kribbeln, ein leises Ziehen in der Herzgegend. Ein Zeichen. Kein esoterisches. Kein spirituelles. Sondern ein echtes.
Dein Zeichen.
Was wäre, wenn genau das der Weg ist?
Nicht höher. Nicht schneller. Nicht besser.
Sondern echter.
Wahrer.
Deiner.
***
Ursula Parpan begleitet Menschen auf dem Weg vom Suchen ins Erinnern. Ihre Arbeit verbindet Tiefe, Klarheit und innere Wahrheit – fern von spirituellen Rollen und Konzepten.
ursulaparpan.com
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