SRG in der Charmeoffensive
Droht Ungemach, wird der zwangsgebührenfinanzierte SRG-Medienkonzern plötzlich erfinderisch. Aber nicht mit besseren Inhalten, sondern mittels Werbekampagnen in eigener Sache.
Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) unternimmt derzeit viel, um sich volksnah zu präsentieren. Sie hat allen Grund dazu. Am 8. März 2026 stimmt die Schweizer Bevölkerung über die SRG-Initiative ab, die vorsieht, die Zwangsgebühren für die Medieninstitution von derzeit 335 auf 200 Franken jährlich zu senken. Für die SRG würde dies massiv weniger Einnahmen bedeuten. Generaldirektorin Susanne Wille malt bei jeder Gelegenheit nicht nur mediale, sondern politische Horrorszenarien an die Wand, falls die SRG-Initiative angenommen wird.
Die SRG hat immer mehr Mühe, sich zu legitimieren. Trotz sinkender Werbeeinnahmen und Zuschauerquoten sind ihre Löhne in den letzten Jahren gestiegen – trotz ständiger Beteuerungen, man müsse sparen. Damit der Kuchen in Zukunft dennoch nicht kleiner wird, inszeniert sich die SRG seit einiger Zeit als unverzichtbare Säule für die Schweizer Demokratie und die nationale Kohäsion.
«Beizentour» in der Provinz
Und so versucht die SRG, die Bevölkerung von ihrer Wichtigkeit zu überzeugen. Das Problem allerdings beginnt bereits bei der verzerrten Selbstwahrnehmung. Obwohl sie, wie programmrechtlich festgehalten ist, der Neutralität verpflichtet sind, bezeichnen sich die Journalisten mehrheitlich als politisch linksstehend. Das ist bei Privatmedien grösstenteils zwar nicht anders, aber dort muss der Konsument keine Zwangsabgabe entrichten.
Die SRG bemüht gar den Mythos der Schweiz als Willensnation – und umgekehrt wünscht sich Wille eine SRG-Nation. Unter dem Motto «D Schwiiz hebt zäme» unternimmt die SRG eine «Beizentour», bei der einige ihrer bekanntesten Gesichter in die Provinzen des Landes ausschwärmen. Zum Beispiel «10 vor 10»-Moderator Arthur Honegger in Villmergen Ende Oktober 2025. Dort gab er die üblichen Sprüche zum Besten, es gebe keine Zensur beim Schweizer Fernsehen SRF, man bringe die unterschiedlichsten Meinungen zu einem Thema usw. So unterschiedlich, dass für sämtliche beteiligten Diskutanten die RKI-Protokolle offenbar gänzlich unwichtig waren. Die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen UBI erklärte die unterlassene Berichterstattung als programmrechtswidrig.
Gemäss Weltwoche hielt sich das öffentliche Interesse an einem Anlass in Kriegstetten mit Susanne Wille, ebenfalls im Oktober, in Grenzen. Zwanzig angehende Pflegefachleute seien anwesend gewesen, und dies «erst noch auf Geheiss der Schulleiterin». In Klosters war «Arena»-Moderator Sandro Brotz zugegen.
Die SRG hat sich gemäss Wille der Mission verschrieben, gegen die politische Polarisierung zu kämpfen. Könnte es nicht sein, dass SRG-Medien mit mehrheitlich linken Journalisten selbst zu dieser Polarisierung beitragen? Ein glaubwürdiger Service public müsste sehr viel Wert auf Ausgewogenheit legen. Stattdessen: regierungsservile Corona-Propaganda, böser Trump, noch böserer Putin, Klimapanik, SVP pfui, Gender und Diversity hui.
Ausstellung im Verkehrshaus
Passend zum Start des Abstimmungskampfs lancierte die SRG Mitte Oktober die Ausstellung «Wirklich?!» im Verkehrshaus Luzern. Mit dabei bei der Eröffnung: Bundesrat und Medienminister Albert Rösti (SVP), der dem Anlass die öffentliche Aufmerksamkeit verschaffte. SRF erstellte dazu einen TV-Beitrag zur Eigenwerbung. Viel Medien-Brimborium also – im Kontrast zur Kleinräumigkeit der Ausstellung, die man ohne Nachfragen vor Ort kaum findet. «Beizentour», Ausstellung und angekündigte Sparmassnahmen wenige Monate vor der Abstimmung? Purer Zufall, «kein Zusammenhang», behauptet die SRG auf Anfrage.
Die Ausstellung ist interaktiv aufgebaut, der Besucher wird zum Mitmachen animiert. Es gibt einen Trainingsparcours mit drei Posten: «Fake Flash», «Bubble Crash», «Fake Bash». «Du lernst hier, Fake News zu erkennen», erklärt «Tagesschau»-Moderatorin Andrea Vetsch via Bildschirm. Ein zusätzliches Element ist die Kontrollkarte «ABC-Challenge». Bei jedem Posten gibt es Wissensfragen zur Medienwelt, für die es Punkte gibt.
Beim «Fake Flash» stehen zwei Installationen. Im improvisierten Fernsehstudio spricht der Besucher eine Nachricht vom Teleprompter ein. Das ist die «echte» Nachricht. Danach wird diese in einen anderen Kontext gestellt, also verfälscht, und man sieht diese Fake-Nachricht dann als Konsument auf einem Bildschirm im Bus. Auf diese Weise soll man falsche von korrekten Nachrichten unterscheiden können.
Der «Bubble Crash» widmet sich dem unterschiedlichen Blick auf die Welt. Die dazugehörige Installation erschliesst sich nicht unbedingt, aber die schriftliche Information ist nützlich. Das Phänomen der Filterblase trägt dazu bei, dass Medienkonsumenten sich weniger mit anderen Meinungen als ihren eigenen auseinandersetzen und dass ihre Sicht auf die Welt – gerade bei den sozialen Medien – durch die Vorauswahl der Algorithmen verstärkt wird. Dann wieder etwas Eigenlob: Soziale Medien «zeigen vor allem, was du magst. Journalistische Medienportale hingegen, wie zum Beispiel srfnews.ch, sind zur Ausgewogenheit verpflichtet und zeigen verschiedene Seiten».
Schliesslich werden beim «Fake Bash» auf einer grossen Leinwand eine Frage und drei Antworten eingeblendet, und der Besucher muss wie bei der TV-Kinderquizshow «1, 2 oder 3» nach Ablauf der Zeit auf dem richtigen Antwortfeld stehen. Dabei müssen falsche Absender oder eine zu emotionale Aufmachung eines Themas identifiziert werden.
Abgesehen davon, dass die Besucherführung nicht eindeutig ist und die Lochkarten meistens liegengelassen werden, stellt sich die Frage nach dem pädagogischen Nutzen. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen Fake News ist bescheiden. Für Kinder und Jugendliche dürfte die Ausstellung bereits zu abstrakt sein, für Erwachsene zu durchschaubar als Eigenwerbung. Wie viel sich die SRG dies kosten lässt, gibt sie auf Anfrage nicht bekannt.
Fake News oder doch Propaganda?
Die SRG inszeniert sich als Gralshüterin der Wahrheit, dabei sind Fake News und Desinformation keine neuen Begriffe. «Unabhängig» sind ohnehin die wenigsten Medien, auch die SRG ist es nicht. Verkürzt will die SRG mitteilen: Ohne gleich hohe Zwangsgebühr keine SRG, folglich keine unabhängige Meinungsbildung. Weniger Zwangsgebühren, keine Demokratie. Wirklich!?
Freilich gibt es Fake News. Doch der Begriff wird nirgends definiert. Von der Medienstelle der SRG kommt die Umschreibung: Fake News sind Falschmeldungen oder irreführende Informationen, die zwecks Täuschung oder Manipulation absichtlich verbreitet werden. Nun kommt diese Beschreibung der Definition von Propaganda eigentlich näher. Grenzen sind mitunter fliessend.
Es ist der denkbar offensichtlichste Fall von kognitiver Dissonanz: Es sind immer nur die anderen, die die Welt verzerrt durch ihre Brillen sehen, aber bei den Medien der SRG, dort gelten «journalistische Standards» und «verpflichtende Qualitätsrichtlinien». Gleiches behaupten alle Medien. Man unterhält laut SRG-Medienstelle ein internes Netzwerk von «Fakten-Checkern». Und weil diese ja angeblich trotz fleissiger Finanzierungen zwielichtiger Stiftungen und Regierungen immer unabhängig arbeiten, unterliegt man bei der SRG selbst dem Phänomen, das man zu entlarven glaubt.
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