Friedenshetzer
Da sitze ich doch vor meinem Computer in einem sozialen Netzwerk, in dem ich mich gerade darüber ausgelassen habe, dass solche Finanzhaie wie BlackRock und dessen ehemaliger Chef in Deutschland, der sich nun als zweite Wahl in einem der höchsten Ämter dieses Landes sonnt, nur am Krieg verdienen können und nicht am Frieden.
Ich bemerke, dass der Krieg aus Eisen Gold machen kann und dass eben jener Kandidat auf einem Vortrag in Zürich als Kriegstreiber bezeichnet wurde, wohl zu Recht. Und dann staune ich nicht schlecht: Natürlich werde ich angegangen und die ganze Russland-Ukraine-Problematik wird über mir ausgegossen, das ist ja auch in einem politischen Diskurs völlig in Ordnung. Und irgendjemand, dem wohl die Argumente gegen mich ausgegangen sind, nennt mich öffentlich: «Friedenshetzer».
Ich schmunzele, staune, und bin dankbar für diesen Neologismus. Der Begriff Hetze ist ja mittlerweile gerade in der deutschen Politik im Alltagsgebrauch – jede Meinung, die nicht exakt der Ideologie des Regimes und deren Politikdarsteller entspricht, wird sofort als Hass und Hetze abgetan und gar juristisch verfolgt. Dabei gibt es den Begriff «Hass und Hetze» im Strafgesetzbuch gar nicht, aber egal, es klingt hübsch böse und in einem Staat, der sowieso weitestgehend die Gewaltenteilung aufgegeben hat, ist so ein Gesetzbuch auch nichts mehr wert.
Aber kann man für den Frieden hetzen? Dies ist eine interessante Verbindung zweier Worte mit so unterschiedlichem ethischem Inhalt. Frieden ist uns schon in der Bibel aufgegeben worden, dort steht in über 40 Versen sinngemäss immer wieder: «Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.» (Johannes 14, 27). Nur durch Frieden kommt die Gesellschaft zur inneren Ruhe, nur durch den Weltfrieden werden wir alle eine Menschheitsfamilie. Frieden ist immer positiv belegt, weil im klaren Gegensatz zu Krieg und Unfrieden. Frieden steht für ein respektvolles Miteinander und das Lösen von Problemen in friedfertiger Weise. Für Frieden darf und muss man kämpfen, sich einsetzen, Argumente bereitstellen und die Diplomatie einschalten, im Grossen, zwischen Staaten, wie im Kleinen, in der Familie und nicht zuletzt in sich selbst.
Und Hetze? Hetze steht für unsachliche, gehässige, verleumderische, verunglimpfende Äusserungen oder Handlungen, die Hassgefühle und feindselige Stimmungen erzeugen sollen. Das passt jetzt nun gar nicht mehr zusammen: Sich für den Frieden einsetzen mit feindseligem, bösartigem und gehässigem Verhalten? Wie soll das zusammengehen?
Kann es sein, so frage ich mich nun, dass Frieden mittlerweile negativ belegt ist in den Köpfen von Menschen, die das Wort «Friedenshetzer» prägen wollen? Sind wir auch hier sprachlich an einem Punkt in der Gesellschaft angelangt, an dem Krieg positiv und gut und Frieden schlecht ist?
Für jemanden, der nur mit Krieg sein Geld verdienen kann und der als Kriegstreiber die Menschen in Unglück und Tod stürzt, ist ein Mensch, der sich ultimativ für den Frieden einsetzt, ganz sicher ein Friedenshetzer.
Doch wenn wir den Krieg hassen, können wir uns dennoch voller Liebe mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln für den Frieden einsetzen. Nicht mit Hass und Hetze – damit erreichen wir keinen Frieden, dies ist und bleibt ein unmöglicher Weg. Wie Altkanzler Helmut Schmidt, der sicherlich ein Friedensfreund war, bereits sagte: «Lieber 100 Stunden umsonst verhandeln, als eine Minute schiessen.»
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Prof. Dr. Stefan Hockertz ist selbstständiger Toxikologe, Pharmakologe und Immunologe mit jahrzehntelanger Erfahrung im Bereich der Arzneimittelzulassung.
Telegram: @ProfHockertz
Website: tpi-consult.ch
Sylvia Theis ist diplomierte Betriebswirtin und Co-Geschäftsführerin eines Schweizer Unternehmens des Gesundheitswesens.
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