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Nikola Tesla – Genie auf Kollisionskurs 

Er ist der Inbegriff eines Zeitgeistes, einer ganzen Zeitqualität: Nikola Tesla war nicht bloss ein «begabter Erfinder» – er war eine Singularität im Raum, ein Punkt, an dem die Menschheit hätte abbiegen können, und es doch nicht tat. War er seiner Zeit so weit voraus? Oder wir selbst heute so weit unter dem, was wir eigentlich begreifen könnten? Wer war dieser Mann, der so viel wusste? 

Die Geburten von Menschheitsführern stehen für gewöhnlich deshalb unter einem «guten Stern», weil sie als dieser bald auch anderen den Weg weisen werden. Anders bei Nikola Tesla: Seine Geburt am 10. Juli 1856 fand Familienüberlieferungen zufolge unter einem so heftigen Gewitter statt, dass ihn seine Mutter als «Kind des Lichts» bezeichnete. Und wer weiss, vielleicht war schon damals der Blitz in ihn gefahren, der sich zeit seines Lebens zu entladen versuchte. 

Im Pfarrhaus des kleinen Örtchens Smiljan, im damaligen österreichisch-ungarischen Kaiserreich und heutigen Kroatien aufgewachsen, erzählte der «eigenartige» Jüngling früh von Bildern, die als spontane Lichtblitze vor seinem inneren Auge auff lammten – Visionen, die er später in Maschinen, Spulen und Magnetfeldern materialisieren würde. Er behauptete von sich sogar, ganze Bücher Wort für Wort rezitieren oder komplexe Apparate vollständig im Kopf konstruieren und testen zu können – ohne je eine Skizze zu zeichnen. Folglich beschritt Nikola, anders als vom Vater gedacht, nicht den Weg des Priesters, sondern studierte Elektrotechnik in Graz und Prag – mit höchsten Zeugnisnoten, aber ohne formalen Abschluss. Aufgrund seiner Routinen und Zwänge von seinen Kommilitonen ohnehin schon als Sonderling abgestempelt, verzweifelte der junge Tesla obendrein auch noch an seiner Idee, einen Wechselstrommotor entwickeln zu wollen, obwohl ihm sein Professor davon abrät. Er wendet sich dem Nachtleben zu, fängt an zu trinken und verfällt so weit dem Glücksspiel, bis er seine Studiengebühren nicht mehr aufbringen kann und die Hochschule verlassen muss. 

Aus Widerstand geboren 

Ein Missmut, der sich selbst fortsetzen sollte, als ihm sein Onkel 1881 eine Stelle als Elektriker in einem Telegrafenamt in Budapest vermittelte. Dort vollends unterfordert, dachte der Mitte Zwanzigjährige weiterhin über das damals viel umforschte Problem der Magnetfelder eines Wechselstrommotors nach. Bis ihm die Idee «wie ein Blitzschlag» kam und der heute weltweit für Generatoren, Motoren und Übertragungstechnik genutzte «Teslamotor» geboren wurde. Davon beflügelt, emigriert Tesla 1884 in die USA, um bei Thomas Edison zu arbeiten – dem Mann, der die Elektrizität ins Bewusstsein der Amerikaner gebracht hat. Ihre unterschiedliche Herangehensweise entzweite den Experimenteur und den Mentalkreateur jedoch schnell wieder. Zumal Edison den jungen Tesla auch finanziell auf laufen liess. Ein Vertrauensbruch, aus dem Tesla eines jedoch mitnahm: Erfolg benötigt gutes Marketing. 

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