Der Gaza-Konflikt – Versöhnung ausgeschlossen?
Um den Gaza-Konflikt herum haben sich zwei riesige Fronten aufgebaut, die einander unversöhnlich gegenüberstehen. Nicht nur in den betroffenen Gebieten selbst, sondern auf der ganzen Welt wird die israelische Militärpolitik mit viel Skepsisbeobachtet. Kann es Versöhnung oder zumindest eine friedliche Lösung geben?
Eines der grossen analytischen Probleme des Westens begann am 24. Februar 2022, als Russland in die Ukraine einmarschierte. In der offiziellen Lesart kam der russische Überfall plötzlich, ohne Vorwarnung, vor allem aber: ohne Grund. Der gleichen Erzählung begegnen wir, wenn wir den 7. Oktober 2023 in Augenschein nehmen, also den Tag, an dem die Hamas Israel überfiel und tausendfachen Tod und unendliches Leid bei den Opfern und deren Angehörigen auslöste.
Während es im Falle Israels in Deutschland die vielzitierte Staatsräson war, die zur bedingungslosen Unterstützung der israelischen Reaktionen auf den 7. Oktober führte, wurde beim Ukrainekrieg die Geschichte der westlichen Werte erzählt, die die Ukraine verteidige. Der damalige Kanzler Deutschlands, Olaf Scholz, prägte in diesem Zusammenhang den grossmäuligen Begriff «Zeitenwende», der den Beginn einer neuen Aufrüstung kennzeichnete.
Damit begann die Rüstungslawine zu rollen, und inzwischen hat sich eine Eigendynamik entwickelt, die ein Umdenken kaum noch zulässt. In Deutschland wird – zwar unbeholfen und fehlerbehaftet, aber doch intensiv – auf Kriegswirtschaft umgestellt. Ein Weg zurück ist sowohl logistisch-wirtschaftlich als auch pragmatisch gesehen nicht mehr ohne Weiteres möglich, weil die gesamte Kriegserzählung dann einstürzen würde.
Diese beiden grossen Kriegserzählungen, mit denen wir seit Längerem konfrontiert sind, haben – glaubt man den Massenmedien und den verantwortlichen Politikern – keine Vorgeschichte. Doch wer sich genauer mit den Konflikten befasst erkennt, dass dies nicht den Tatsachen entspricht. So zeigt ein kurzer Blick auf die Geschichte Israels, dass die Ursprünge des Gaza-Konflikts weit zurückliegen und komplex sind.
Die Anfänge Israels
Während des Ersten Weltkriegs taten sich Briten und Araber gegen den Feind aus Deutschland zusammen. Schon damals verhandelten der Emir von Mekka und der britische Kommissar in Ägypten über Palästina. Einig wurden beide sich nicht, und am Ende musste die britische Regierung einräumen, dass «sie 1917 nicht das Recht hatte, über Palästina zu verfügen».
Am 2. November 1917 liess der britische Aussenminister Lord Balfour der zionistischen Weltorganisation ein Schreiben zukommen, die sogenannte «Balfour-Deklaration», in der es hiess:
«Die Regierung Seiner Majestät betrachtet die Errichtung einer nationalen Heimstätte (national home) des jüdischen Volkes in Palästina mit Wohlwollen und wird sich grosse Mühe geben, die Erreichung dieses Ziels zu fördern, wobei allerdings von der Voraussetzung ausgegangen wird, dass nichts geschehen darf, was den bürgerlichen und religiösen Rechten der in Palästina bestehenden nichtjüdischen Gemeinschaften oder den Rechten und dem politischen Status der Juden in irgendeinem anderen Land Abbruch tun könnte.»
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Tom J. Wellbrock ist Journalist, Autor, Sprecher, Radiomoderator und Podcaster.
neulandrebellen.de
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