Mein Körper, ich & die Zweikolben-Kaffeemaschine

Pesches Leben ist seit der Jugend dominiert von Zahlen: Nach seinem Mathematik- und Statistikstudium ging er zum Bundesamt für Statistik, von dort zur Swissmedic und jetzt arbeitet er im BAG. Drei Jobs in dreissig Jahren, er ist jetzt Mitte fünfzig. Mit Zahlen wäre er verheiratet, unken seine wenigen Freunde. Dabei hat er vor zehn Jahren Sue geheiratet. Sie ist zwölf Jahre jünger als er, eine topfitte und austrainierte Yogine, die sich in einer erotisch induzierten prämenopausalen Aufbruchstimmung befindet. Kürzlich hat sie sich den Sanskrit-Namen Nila zugelegt.
 Ausser der Ehe haben Pesche und Nila im Laufe der Zeit alles getrennt: das Bett, das Bad, das Budget, sogar den Kühlschrank. Pesche musste ein Extrafach einbauen, in dem er seinen «Prolofrass», wie Nila sagt, lagern darf: Cervelats, Landjäger, Salsiz. Der grosse Rest des Frigo ist gefüllt mit Gemüse, Salat, Obst, Quorn, Tofu, Tempeh, Seitan, Sojagedöns, Kirchererbsen. Pesche fragt sich, wie viel von welcher Sauce und in welcher Schärfe er an dieses Zeugs schmieren müsste, um einen Bissen davon runterzubekommen.
 «Du hast dich total gehen lassen», meint Nila. Er findet das überheblich von ihr. Auch wenn sie in der Yoga-Position des herabschauenden Hundes (Adho Mukha Svanasana) ist, empfindet er, dass sie auf ihn herabschaut. Liegt sie in der Totenstellung (Shavasana), ertappt er sich beim Wunsch, diese Position möge für die Ewigkeit dauern.
 Nila ist eine heftige Gegnerin der…

von Marco Caimi
Credit Grafik: polyactive

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