Mit der Liebenswürdigkeit des Hofnarren

Gilbert & Olegs Fahrieté:
«Robin Hood – The Great Resist»

Nur selten ist bei Gauklern solch eine Vielfalt an Figuren im gleichen Stück zu sehen wie bei Gilbert und Olegs «Robin Hood– The Great Resist». König, Zwerg, Gnom, Magier, Barde, Prophet, Hofnarr, Maid Marian, Puppenspiel – nichts wird ausgelassen. Das Varieté, das vordergründig als hervorragender Klamauk mit umfangreichen Musikeinlagen, Clownerie und Magie daherkommt, verblüfft durch seinen Tiefgang und langweilt keine Sekunde. Dennoch lassen die beiden Artisten in ihrer grossartigen Komödie durchblicken, in welch üblen Zeiten wir leben.

Schenkelklopfer werden hier nicht bedient. Die beiden Figuren Gilbert und Oleg, dem Duo des klassischen Weissclowns und dummen Augusts nachempfunden, driften aber nie in Trübsinn oder Schwermut ab. Trotz den unzähligen Versuchen Gilberts, dem übermütigen Oleg ein wenig die Zügel anzuziehen und ihn zu mässigen, landet dieser seine bösen Spitzen gegen die Obrigkeit mit der Liebenswürdigkeit des Hofnarren. Der «Pöbel, das gemeine Volk» vor der kleinen, liebevoll gestalteten Bühne ist begeistert darüber. Vor lauter Kreativität fällt kaum auf, dass das Bühnenbild eigentlich verblüffend einfach ist. Aus Wenigem wurde hier Enormes gebaut.
Die mittelalterliche Legende und die Balladen über Robin Hood, den Namensgeber des Stückes, dringen immer wieder durch. Besonders wenn es darum geht, den Mächtigen – in diesem Fall dem narzisstischen König oder dem Sheriff von Nottingham – den Spiegel vorzuhalten und sie ihrer Lächerlichkeit preiszugeben. Dabei dürften die äusserlichen Ähnlichkeiten zu lebenden Persönlichkeiten möglicherweise nicht ganz zufällig sein.

Was hier so leicht, humorvoll und beschwingt daherkommt, hat eine uns allen bekannte, traurige Vorgeschichte – nämlich das Verbot vieler künstlerischer Darbietungen…


von Herbert Schweizer


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