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Impfzwang im Paradies?  

Den Dezember letzten Jahres durfte ich auf Bali verbringen. In der Werbesprache «ein bezauberndes Inselparadies in Indonesien, einzigartig durch seine harmonische Verbindung von Natur, Spiritualität und Kultur». Ich traf gastfreundliche und liebenswürdige Menschen. Ob in Wohnhäusern, Tempeln, auf Strassen oder am Strand: Die Religiosität wird ganz öffentlich gelebt in Form von Opfergaben und Ritualen. Dies geschieht mehrmals täglich und bezweckt, den Göttern Dankbarkeit zu zeigen.

Perfektes Drehbuch made in China

In Gesprächen wollte ich zuweilen erfahren, wie es ihnen ergangen sei während «Corona». Ein Taxifahrer fasste in Kürze zusammen, weshalb die Menschen auf Bali damals ihre ganze Existenz verloren, leben doch die meisten direkt oder indirekt vom Tourismus: «Die Chinesen haben uns den Virus gebracht, den Lockdown als Schutzmassnahme, den Impfstoff* als Rettung und danach sehr viel gutes Land für wenig Geld gekauft.» (* Ein Sinovac-Totimpfstoff, kein experimentelles mRNA-Produkt)

Kapitalismus vom Allerfeinsten aus dem kommunistischen China! Kaschiert wie so oft hinter Hilfsbereitschaft und Solidarität. Nur ein Beispiel der historisch gesehen wohl schnellsten und grössten globalen materiellen Umverteilung von unten nach oben. Die Schere zwischen (wieder) Arm und Reich öffnete sich damals offenbar derart schnell, dass es viele und allen voran die Linken nicht einmal bemerkten. Bis heute nicht. 

Mit über 280 Millionen Einwohnern ist Indonesien das viertbevölkerungsreichste Land der Erde. Die Regierung schloss für fast zwei Jahre die Grenzen. Eine Impfpflicht wurde erlassen ohne Debatte oder Abstimmung im Parlament. Wer sich nicht impfen liess, konnte mit Geldstrafen belegt werden und erhielt nur noch beschränkt Zugang zu öffentlichen Dienstleistungen. Krankenversorgung und Sozialhilfeleistungen wurden gestrichen. Ganz offiziell gilt Indonesien als drittgrösste Demokratie der Welt.

Vergleich mit dem sogenannten «Wertewesten»

Als ich jemandem auf Bali erklärte, dass in Europa in einigen Ländern heftig gegen Pläne eines direkten oder indirekten Impfzwangs protestiert wurde, gleichzeitig aber Hunderttausende Menschen wegen der Massnahmen einsam und verlassen sterben mussten, war er sehr erstaunt: «So etwas hätte auf Bali niemals geschehen können. Hier musste niemand einsam sterben», erwiderte er. Mein tiefster Respekt gilt den Menschen, die nach unserem Ermessen in Unfreiheit leben müssen, aber nichtsdestotrotz zu ihren (traditionellen) Wurzeln und Werten stehen. 

Missglückter Versuch in Österreich, aktuelles Thema in St. Gallen

In dieser unsäglichen Zeit, am 20. Januar 2022, stimmten in Österreich im Nationalrat 137 Abgeordnete für eine Covid-Impfpflicht und nur 33 dagegen. Praktisch einstimmig dafür war man bei der ÖVP, SPÖ und den Grünen. Die FPÖ stimmte geschlossen dagegen. Just die Partei, die seither mit vereinten Kräften bekämpft wird zur Rettung der Demokratie …

Nur einige Monate später, am 23. Juni, verkündete die Regierung das Ende der Impfpflicht noch vor deren Einführung. Aber nicht etwa, weil Politik und Medien zu einer anderen Einsicht gelangten, ganz im Gegenteil. Sondern auf Druck der Tausenden von Menschen, die sich auf der Strasse dem behördlichen Irrsinn entgegenstellten. 

Am Samstag findet in St. Gallen eine bewilligte Demonstration gegen einen geplanten Impfzwang im Kanton statt. Hintergrund bildet der Entwurf des neuen St. Galler Gesundheitsgesetzes. Aufgerufen haben die Organisationen Mass-Voll (eine Bürgerrechtsbewegung der ersten Stunde aus der Corona-Zeit) und meineentscheidung.ch (besorgte Bürger aus St. Gallen, die sich für körperliche Selbstbestimmung und gegen Impfzwang starkmachen).

Nebst stgallen24 berichtete auch TVO, dass sich die Stadtpolizei auf ein intensives Wochenende vorbereite (eine Gegendemo, die Fasnacht und ein Risiko-Fussballspiel am selben Tag).

Die Polizei rechnet mit zwei friedlichen Kundgebungen. Doch die Gruppierung «Ostschweiz-Nazifrei» ruft zu einer Gegendemonstration auf. Laut, kämpferisch und solidarisch soll sie werden, gehe es doch hier gegen faschistische und verschwörungsideologische Gruppierungen. 

Vermutlich handelt es sich wie auf dem Foto oben um zumeist junge «Antifaschist:innen», die schon vor einigen Jahren die staatlichen Corona-Massnahmen lautstark unterstützten und klar zu erkennen gaben, wie sie körperliche Selbstbestimmung interpretieren.


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