Fragebogen an Uli Masuth
Ihre erste Kindheitserinnerung?
Nicht die erste, aber eine sehr eindrückliche. Das war im Juli 1969. Ich war 12. Wir waren mit der Familie im Urlaub. In Holland. Eine kleine Pension. An diesem Tag sassen alle Gäste im Wohnzimmer und schauten gemeinsam fern. Schwarz-weiss. Ein winziger Apparat. Übertragen wurde die Mondlandung. Irgendwann musste ich auf die Toilette. Die war im Flur. Die Toilettentür hatte eines dieser Drehschlösser, die entweder rot oder grün anzeigten. In diesem Fall stand die Scheibe auf halb rot und halb grün. Ich überlegte: War nun besetzt oder frei? Ich wartete. Nichts passierte. Zu klopfen traute ich mich nicht. Irgendwann versuchte ich, mit einem Blick durchs Schlüsselloch auszumachen, woran ich war. Genau in diesem Moment betritt die Pensionsmutter den Flur, sieht mich und macht mir auf holländisch unmissverständlich klar, dass man das nicht tut. Erklären konnte ich mich nicht. Stichwort: Sprachbarriere. Zum Glück war der Urlaub nur kurz und wir waren nie mehr dort.
Was glauben Sie, woher Sie kommen?
Seit 16 Jahren aus Thüringen, aufgewachsen in Nordrhein-Westfalen. Um genau zu sein, in Rheinhausen, das ist linksrheinisch Duisburg. Geboren bin ich in Krefeld – als Folge davon, weil sich zwei Menschen, also eine männlich gelesene Person 1 und eine weiblich gelesene Person 2 irgendwie nähergekommen sein müssen. Und das alles glaube ich nicht nur, das weiss ich sogar. Wenn Ihre Frage allerdings darauf abheben sollte – was sie vermutlich tut –, woher wir kommen, also die Menschheit, woher die kommt, da muss ich passen. Das weiss ich nicht, glaube aber, dass Leute wie unser hochgeschätzter, stets unparteiisch agierender und niemals überforderter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, hochkompetente Politiker wie Friedrich Merz, Robert Habeck, Annalena Baerbock und Co., dass diese Leute von einem anderen Stern kommen müssen.
Was sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel schauen?
Einen alten weissen Mann und Vertreter der Vor-Vor-Letzten-Generation, dem Eitelkeit nicht fremd ist und der mir – je nach Beleuchtung – manchmal zufrieden zulächelt.
Warum sollte man Ihnen zuhören?
…
***
Uli Masuth ist Kabarettist, Komponist, Klavierist, Ossi mit westdeutschem Migrationshintergrund und Künstlerischer Leiter von «DAS FESTIVAL – Musik & Wort» in Weimar.
kabarett-musik.de
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