Es gibt viel zu tun!
Wie man durch Selbstsorge statt Angststarre auf das Weltgeschehen reagiert.
Zu Anfang bin ich mir nicht sicher, was meinen Bekannten kürzlich an einem warmen Sommerabend kurz vor Ladenschluss des Supermarktes mehr schockierte. Dass ich mit einer eisgekühlten Dose Havana-Club-Lime am Mäuerchen des Parkplatzes lehnte oder dass ich auf seine Frage, ob mich die Nachrichten dieser Woche ebenso verrückt gemacht hätten, ganz gelassen antwortete: «Das kann ich dir nicht sagen, denn ich habe in dieser Woche keine Nachrichten verfolgt.»
«Wie kann man in Zeiten wie diesen das Weltgeschehen ignorieren?», empörte sich der Bekannte und war somit tatsächlich mehr von meiner Ignoranz geschockt als davon, dass ich billigen Rum mit Limo aus der Dose trinke statt mit einem 30 Jahre alten, puren Malteco aus dem Nosing Glass in einem getäfelten Zigarrenzimmer zu sitzen. Schliesslich äusserte er einen Satz, den ich immer wieder höre: «Man muss doch wissen, was auf der Welt geschieht – um vorbereitet zu sein!» Im Folgenden möchte ich darlegen, wieso diese Aussage in jeder Hinsicht falsch ist.
Kampfbereit statt kribbelig
Es spielt kaum eine Rolle, welche Meldungen meinen Bekannten in der besagten Woche konkret nervös gemacht haben. Im Prinzip sind es ja immer die gleichen, in unendlichen Varianten. Die Gefahr durch Kriminelle und Wahnsinnige. Messerattacken, Anschläge, Autos, die in Mengen fahren. Frische Gängelungen durch die Politik, die mit dem Appetit von Bibern die Reste unserer verbliebenen Freiheiten abnagt. Kriegsmeldungen aus der Ukraine und aus Gaza. Für Nachrichtensüchtige, die auch tiefer in die Meldungen gehen, ebenfalls aus dem Sudan oder dem Jemen. Warnungen vor glühender Hitze und alles zerberstenden Fluten, vor dem Blackout oder dem Brownout, vor dem Abreissen von Lieferketten, wenn frisch angegriffene Schurkenstaaten global bedeutsame Handelswege schliessen.
Beginnen wir also zu sortieren.
Erste Frage: Welche dieser Meldungen haben eine konkrete Auswirkung auf unser Leben? Angeblich geht es ja darum, vorbereitet zu sein. Und in der Tat – die Auswirkungen der illegalen Migration sind überall zu spüren. Die Gewaltbereitschaft auf offener Strasse hat sich erhöht, jederzeit sind überall Anschläge möglich, Attacken mit Messern auf Bahnsteigen, unerwartete Wutanfälle von Menschen, die im wörtlichen Sinne wildfremd sind – wild und fremd. Inwiefern erhöht die Menge der Nachrichten, die man zu dem Thema konsumiert, die persönliche Sicherheit? Selbstverständlich gar nicht. Stattdessen könnte man losziehen und sich unauffällige Schutzkleidung besorgen. Mittlerweile sind stichfeste Textilien für den ganz normalen Endkunden erhältlich, mit langen Ärmeln sowie mit Halsschutz. Für die Hosentasche stünde eine Recherche bezüglich legaler Waffen an, vom extrem lauten Alarm bis hin zu bestimmten Sorten von Pfefferspray oder Pfeffergel, die offiziell als «Tierabwehr» deklariert sind. Kauft man sich derlei Produkte, besteht der nächste Schritt darin, den Umgang mit ihnen zu üben, denn wer sie erst im Ernstfall das erste Mal verwendet, wird an der Handhabung scheitern.
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David Andres hat Mathematik und Psychologie studiert und arbeitet heute in der Personalberatung sowie als Ghostwriter für wirksame Wortwahl in Werbung, PR, Vortragsreden und populären Sachtexten. Er lebt tief in der deutschen Provinz und benötigt dort nur schnelles Netz und langsamen, handgemahlenen Kaffee.
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