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Die unsichtbare Kraft 

Zu Besuch bei A.W. Dänzer 

Die hohen kirchenähnlichen Fenster fallen mir an diesem kühlen Novembertag als Erstes auf. Durch sie lässt sich ein Blick in das Innere des mächtigen Backsteingebäudes erhaschen. Draussen wirkt vieles wie ein Relikt vergangener Zeiten: Gas- und Kohlewerke, alte Rohrleitungen, Industriecharme aus einer anderen Epoche. Heute wird hier mit einer ganz anderen Energie gearbeitet – mit jener, die in Lebensmitteln verborgen liegt. 

Hinter den dicken Mauern befindet sich ein Laboratorium, das diese feinstoff liche Ordnungskraft sichtbar macht. Hier treffen wir den Gründer: A. W. Dänzer. Walter Dänzer blickt mit 78 Jahren auf eine 45-jährige Firmengeschichte zurück. Angefangen hat alles bescheiden – in seiner eigenen Mini-Küche, mit einem alten Handwägelchen. Dabei war sein Weg als Sohn einer Arbeiterfamilie ganz anders vorgezeichnet. Rückblickend betrachtet sei immer der unwahrscheinlichste Fall eingetroffen, erzählt er. 

Seinem älteren Bruder hat er zu verdanken, dass er das Lehramt besuchte. Dort gefielen ihm der viele Sport, Klavier, Kunst und Chor. Nach bestandener Matura versuchte er sich als freier Künstler, bis er eines Morgens begriff: Das Leben ist ein Kunstwerk. Alles Leben, alle Erlebnisse, auch die Wahrnehmungsweise sind Kunst – ohne Rahmen, ohne Grenzen. 

Um seine Vision einer für alle Menschen wünschbaren Welt umzusetzen, begann er zu studieren, zuerst Recht, dann Wirtschaft. Doch die unengagierten Professoren hielten monotone Vorlesungen, und wenn die Studenten überhaupt kamen, schliefen sie in den Vorlesungen. 

Dann kam Dr. Popp aus Bern an die Uni Zürich. Er war Vizedirektor der Landwirtschaftsabteilung und erklärte, wie in Bern Agrarpolitik gemacht wird. Da schlief niemand. Endlich erklärte jemand, wie es wirklich lief in der Politik. Dass es Lobbyisten gibt, welche von den Grossbauern bezahlt werden und dass diese wiederum die Parlamentarier bearbeiten und wie diese dann eher für ihr Portemonnaie als fürs Volk entscheiden. 

Nachdem Walter als Erster sein Studium der Agrarpolitik in praktischer Wirtschaftspolitik abschloss, bot ihm Dr. Popp an, sein wissenschaftlicher Assistent zu werden und eine Dissertation zu schreiben. Das Thema durfte er selber wählen. 

Er wollte eine Lösung für eine zukünftige Agrarpolitik erarbeiten, die dafür sorgt, dass die Schweizer Bevölkerung möglichst mit Lebensmitteln aus Biolandwirtschaft versorgt wird, sodass eine gute Volksgesundheit erreicht wird. 

In dieser Zeit besuchte er viele Bauern und machte eine Erfahrung, die ihn geradezu erleuchtete: Als er miterlebte, wie eine Kuh ein Kalb zur Welt brachte, das dann von seiner Mutter weggenommen und in einen Kasten hinten im Stall gesperrt wurde, muhte die Kuh herzzerreissend, weil sie ihr Kalb nicht pf legen und ernähren durfte. Sie war ausser sich vom Schmerz der Trennung. Als Dänzer den Bauern fragte: «Muss das sein?», antwortete dieser: «Ihr wollt das ja!» Er begriff, dass er mit seinem Kauf im Laden die Nachfrage auslöste, die dann solche brutalen Szenen nach sich zog. Er wollte nicht länger für dieses Tierleid verantwortlich sein. Von diesem Tag an ass er nie mehr Fleisch und ersetzte allmählich auch die Milchprodukte. 

Um alle Aspekte seiner Dissertation gut zu studieren, gründete Dänzer eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit einem Agronomen, einer Psychologin und einem Soziologen. Anfang der 1970er-Jahre nahmen die höheren Semesterstudenten das Studium der damals neu sichtbar werdenden Umweltprobleme zunehmend selber in die Hand, weil dazu von den Professoren nichts kam. Ihnen wurde klar: Die gesamte Menschheit sitzt im gleichen Boot. Doch wie kann erreicht werden, dass es allen Menschen gut geht und wir in Harmonie mit der Umwelt unsere globalen und länderspezifischen Probleme lösen können?

***

Walter Dänzer ist Rebell, Visionär und Bio- Pionier. Sein Unternehmen Soyana beschäftigt rund 50 Mitarbeiter und verzichtet auf jegliche Finanzierung durch Banken und Aktien. Dank einem Darlehensmodell für Kunden konnten explodierende Kosten aufgefangen werden und mussten nicht auf die Lebensmittelpreise geschlagen werden. Nebst dem Labor LifevisionLab betreibt er zudem den Verlag Bewusstes Dasein und das vegane Biorestaurant The Sacred in Zürich. 
soyana.ch 

Dänzers Werk «Die unsichtbare Kraft in Lebensmitteln» (2014, 272 Seiten) zeigt die Unterschiede zwischen Bio- und Nichtbiolebensmitteln überzeugend auf. Mit Dunkelfeldmikroskopie erstellte Kristallisationsbilder machen die unsichtbare Qualität von Lebensmitteln anschaulich.


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