Häuser aus Stroh und Häuser ohne Heizung
Strohballenhäuser und Häuser ohne Heizung sind umweltfreundlich, energieeffizient und haben ein sehr gesundes Raumklima. Dennoch werden sie höchst selten gebaut – warum eigentlich?
Energieeffizienz, Klimaschutzvorgaben: dies wird beim Hausbau, aber auch bei bestehenden Wohnungen immer wichtiger. Und weil Hauswände angeblich nicht ausreichend isolieren, wurde in den vergangenen Jahrzehnten millionenfach nachgebessert: mit Dämmung aus Polystyrol. Doch die vielen Nachteile dieser Dämmung haben sich inzwischen herumgesprochen: Die Produktion ist energieintensiv, an Hauswänden zeichnet sich oft Pilzbefall ab, das Raumklima ist schlecht, Wohnungen haben Probleme mit Schimmel, um nur einige zu nennen. Natürliche Baumaterialien sind auch angesichts des «Sick Building Syndroms» besser – dieses beschreibt Symptome wie zum Beispiel Kopfschmerzen oder Husten, die auftreten können, wenn man sich in einem Gebäude mit ungesundem Raumklima aufhält.
Bisher ist das Strohballenhaus eine Nische. Von aussen sieht man diesen Häusern meist nicht an, dass sie nur mit Strohballen gebaut wurden, da das Stroh mit Lehm und Kalk verputzt wird.
Auch wenn es nicht so scheinen mag, ist die Strohballenbauweise äusserst stabil und dauerhaft. Und vor Schädlingen braucht auch niemand Angst haben: Insekten nisten sich im Stroh nicht ein, da dieses zum einen sehr dicht gepresst ist, zum anderen ist ein Strohballenhaus von aussen und innen immer verputzt oder verkleidet.
Wenn Dag Schaffarczyk, der in Berlin das Architekturbüro Spreeplan betreibt, Ausflüchte hört, die den Strohballenbau verkomplizieren, kann er nur mit dem Kopf schütteln: Die gesamte Zielsetzung, die wir im Moment in Bezug auf das Energiesparen haben, sei nicht zielführend, denn der Fokus gehe immer auf Wärmedämmung. Also auf die Vermeidung von Wärmeverlusten im Winter. «Das entspricht schon jetzt nicht mehr der Realität, und wird in Zukunft noch weniger der Realität entsprechen», meint Schaffarczyk. Die Aufgabenstellung liege in diesen Zeiten viel mehr auf dem sommerlichen Wärmeschutz, als auf der winterlichen Dämmung. Die sommerliche Energie, die zur Kühlung aufgewendet wird, gehe im Moment noch gar nicht vollständig in die Bilanzierung der Klimabilanz ein.
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Dirk Engelhardt ist freier Journalist. Er studierte Kommunikationswissenschaften und Nordamerika-Studien an der FU Berlin und hat mehrere Reisebücher verfasst.
dirk-engelhardt.de
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