Briefwechsel mit Ernst Wolff
Betreff: Digitalisierung: Knechtschaft oder Chance?
Lieber Herr Wolff
Ich schätze Sie sehr als Analytiker und Experten in Finanz-, Wirtschafts- und Politikfragen. Sie decken die Zusammenhänge unmissverständlich auf. Ehrlich gesagt hinterlassen Ihre Analysen bei mir jedoch ein sehr düsteres Bild für die Zukunft. Dort, wo andere freiheitsliebende Menschen Chancen sehen, vertreten Sie eine dezidiert kritische Haltung: beispielsweise gegenüber Kryptowährungen und Künstlicher Intelligenz. So rechnen Sie in den nächsten Monaten und Jahren mit weltweit zusätzlichen 100 Millionen arbeitslosen Menschen. Dies aufgrund der schnellen Entwicklung der KI und der humanoiden Roboter, die die Arbeiter bald in vielen Bereichen ersetzen werden. Um diese Menschen nicht als Konsumenten im herrschenden Wirtschaftssystem zu verlieren, sollen sie an ein digitales Zentralbankensystem gebunden werden. Um ihr Konsumverhalten zu kontrollieren und zu verhindern, dass sie Erspartes anlegen, werde das digitale Grundeinkommen programmiert und zentral gesteuert sein. Das heisst konkret: Die Coins werden ein Ablaufdatum haben und ihre Verwendung wird örtlich eingegrenzt sein, zum Beispiel auf die ebenfalls geplanten 15-Minuten-Städte.
Kürzlich wurde der Fahrplan für die Einführung des digitalen Euros stark verkürzt: Statt ab 2028 soll er nun bereits ab Oktober dieses Jahres in die Pilotphase gehen. In dieses Projekt wird eine Milliarde Euro gesteckt. Die Einführung soll insgesamt 30 Milliarden Euro kosten. Warum dieses Voranpreschen? Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank Christine Lagarde sagt, dass sie im digitalen Euro eine strategische Notwendigkeit für Europa sieht, um unabhängig von US-Technologiekonzernen und ausländischen Stablecoins zu sein. Sie wolle damit die Autonomie der Eurozone stärken und das Bargeld nicht ersetzen, sondern ergänzen. Das grosse Problem der Zentralbankwährungen: sie sind total kontrolliert und gläsern. Eine anonyme Verwendung wie beim Bargeld wäre nicht mehr möglich, was eine beispiellose Einschränkung persönlicher Freiheit bedeutet. Ein perfektes Lenkungsinstrument für die technokratischen Machteliten.
Viele sehen Kryptowährungen als Ausweg aus dieser Problematik. Bitcoin hat sich nicht als alltagstauglich bewährt, aber es gibt Weiterentwicklungen wie Kaspa, welches sich als neues Freiheitsgeld anpreist. Wer das Weltgeschehen kritisch beobachtet, versucht, mit den rasanten Entwicklungen und den neuen Möglichkeiten Schritt zu halten, um sich finanziell abzusichern. Doch mir scheint es ein Wettlauf mit der Zeit zu sein. Werden sich alternative Kryptowährungen etablieren können und werden sie angenommen, bevor uns das Zentralbankengeld aufgezwungen wird? Oder sind auch dies vielleicht nur falsche Versprechungen? Dienen sie in Wahrheit vielleicht gar nicht der Freiheit, sondern einem anderen Zweck?
Und was die KI betrifft: Kann sie für kritische Menschen nicht auch hilfreich sein, um nützliches Wissen zu sammeln, mit dem sie sich aus dem herrschenden System befreien können? Gespannt erwarte ich Ihre Antwort.
Freundliche Grüsse
Prisca Würgler
Herausgeberin «DIE FREIEN»
…
Du möchtest den ganzen Artikel lesen? Dann bestelle jetzt die 21. Ausgabe oder gleich ein Abo in unserem Shop.
Deine Meinung ist uns wichtig: Teile dich mit und diskutiere im Chat mit unseren Lesern.