Sind Gefängnisse noch zeitgemäss?
Hinter Gittern landen Unschuldige – und das gar nicht mal so selten. Zudem gibt es viele weitere Kritikpunkte am gängigen Strafvollzug. Die Rückfallquote der Inhaftierten ist hoch, die Bedingungen in Haftanstalten sind oft miserabel. Es braucht neue Ideen – eine davon stammt aus Hawaii.
Im Februar 2014 wurde es endgültig geschlossen, das berüchtigte Abu-Ghraib-Gefängnis im Irak. Dort wurde bereits unter Saddam Hussein schwere Folter praktiziert. Die Menschen wurden in enge Zellen hineingepfercht, in denen sie kaum atmen, geschweige denn schlafen konnten, andere Häftlinge mussten tagelang knien oder wurden an Dachsparren aufgehängt. Es fanden massenweise Hinrichtungen statt, weitgehend nach Lust und Laune des Regimes. Nach der Eroberung Bagdads im Jahr 2003 übernahmen US-Militärbehörden den Schreckenskerker, mit dem Versprechen, daraus eine human geführte Haftanstalt zu machen. Doch daraus wurde nichts, wie schon ein Jahr später zahlreiche Fotos und Videos zeigten, die durch den Whistleblower Joseph Darby weltweit bekannt wurden. Darauf sind amerikanische Soldaten zu sehen, die Häftlinge quälen und malträtieren, teilweise mit Elektroschocks.
Ein General machte später öffentlich, dass unter den Insassen von Abu Ghraib viele Unschuldige gewesen seien, «die zur falschen Zeit am falschen Ort» waren. Auch aus dem US-Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba, das seit mehr als 24 Jahren in Betrieb ist, wurde bekannt, dass kaum einer der Insassen aufgrund einer tatsächlichen Straftat eingesperrt worden war. Den knapp 800 Männern und Jugendlichen, die dort inhaftiert wurden, warf man vor, mit den Terroranschlägen des 11. September 2001 in Verbindung zu stehen. Bewiesen wurde das nicht, niemand erhielt ein faires Gerichtsverfahren. Noch heute werden dort 15 Gefangene grundlos festgehalten.
Gerichte sind nicht immer gerecht
Man möchte schreien angesichts dieses Unrechts. Und man muss sich wieder einmal fragen: In welcher Welt leben wird eigentlich? Alleine die Vorstellung, in einem Gefängnis eingesperrt zu sein, ist für die meisten Menschen der reinste Horror. Und was nur muss es bedeuten, wenn man völlig zu Unrecht hinter Gitter kommt?
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Sylvie-Sophie Schindler ist in Philosophie, Pädagogik und Schauspiel ausgebildet und hat über 1500 Kinder begleitet. Die Journalistin ist Trägerin des Walter- Kempowski-Literaturpreises 2021 und publiziert unter anderem bei der Weltwoche. Ihr Buch «Anarchie – jetzt oder nie!» (111 Seiten) ist soeben im Westend Verlag erschienen.
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