Macht Euch die Erde untertan

Dieser Satz ist die Lunte zur Menschheitsgeschichte, einer jahrtausendealten Geschichte nicht abreissen wollender Gewalt als logische Folge des fatalsten und folgenschwersten Irrtums der Schriftauslegung.

Ein erfolgreiches Leben misst sich daran, ob man diese Welt in einem besseren Zustand hinterlässt, als man sie vorgefunden hat. Bis hierhin sind wir uns einig, Klaus Schwab, Greta und die Klimakleber, die WHO und ich. Aber wie misst man den Einfluss eines einzelnen Lebens auf diese Welt? Welcher Mensch kann sich eines persönlichen Beitrags zu einem Sonnenaufgang oder Vulkanausbruch rühmen?

An indischen Universitäten verabschiedet man abends die Sonne singend mit dem Sonnenuntergangsmantra und begrüsst sie morgens mit dem Sonnenaufgangsmantra. An unseren Universitäten setzt man abends Tweets ab wie «Die Sonne geht unter – Schuld ist der Klimawandel», woraufhin Wissenschaftler mit Verweis auf computergestützte Dunkelheitssimulationsmodelle prognostizieren, dass die Nacht diesmal monatelang andauern werde, um dann den unerwarteten Sonnenaufgang zu kommentieren mit: «Das haben wir alle gemeinsam geschafft.»

Wer die Welt verändern will, muss sich selbst verändern. Das heisst, man kann die Welt nur um so viel verbessern, wie man sich selbst verbessert. Alles andere ist Selbstüberschätzung. Über andere zu herrschen ist nie eine höhere Berufung, sondern immer ein grössenwahnsinniges Hinabsinken unter seine eigenen Möglichkeiten. Wer Lust auf ein Regierungsmandat verspürt, folgt keinem höheren Ruf, sondern einem niederen Trieb. Denn Dummheit regiert die Welt.

Wer hingegen durch Selbstbeherrschung das Wunder vollbringt, sich selber in seinem Denken, Reden und Handeln zu verbessern, wird diese Welt gleichsam für alle Menschen verbessern, die mit ihm in Berührung kommen. Und erstaunlicherweise führt genau das dazu, dass man dann doch noch mehr als nur sich selbst zu verbessern vermag, nämlich indem man andere durch sein Vorbild dazu anleitet, sich ebenfalls selbst zu verbessern.

Der Irrtum ist so alt wie die Menschheit und geht zurück auf einen Satz in der Genesis: «Macht euch die Erde untertan.» Seit dieser göttlichen Befehlsausgabe versucht der Mensch die Welt zu beherrschen. Tausende von Jahren Krieg und Unterdrückung sind die Folge …

von Andreas Thiel

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Andreas Thiel etabliert durch seine sprachphilosophischen Betrachtungen eine durch Platon inspirierte neue Schule des Denkens, unter anderem mit seinem Format «Yoyogaga» auf kontrafunk.radio. 2023 erschien der Pilotfilm zu seiner staatsphilosophischen Filmserie «Les Sanspapiers», welche er zusammen mit Prof. Dr. iur. David Dürr produziert: lessanspapiers.ch


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