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«Jeder Schwerverbrecher hat mehr Rechte als Jacques Baud»  

Im Gespräch mit Valentin Landmann

Am 15. Dezember 2025 hat die EU mit Jacques Baud erstmals einen Schweizer Bürger sanktioniert. Valentin Landmann ist einer seiner Anwälte. Für ihn steht der Fall exemplarisch dafür, wie die EU ihr eigenes Recht mit Füssen tritt.

«DIE FREIEN»: Herr Landmann, Ihr Mandant Jacques Baud war Oberst der Schweizer Armee, Nachrichtendienstoffizier, hat jahrzehntelang für die Schweizer Aussen- und Sicherheitspolitik gewirkt, auch in internationalen Organisationen wie der UNO und zuletzt der NATO, weswegen er heute noch in Brüssel lebt. Seit 2022 ist er als Analyst und Buchautor zum Ukrainekrieg hervorgetreten. Am 15. Dezember 2025 ist bekannt geworden, dass er vom Rat der Europäischen Union auf dessen Russland-Sanktionsliste gesetzt wird – als erster Schweizer Bürger. Was wird Jacques Baud vorgeworfen?

Valentin Landmann: Herrn Baud wird seitens der EU vorgeworfen, im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine prorussische Propaganda zu verbreiten. Er sei ein Sprachrohr Putins, heisst es, trete in prorussischen Fernseh- und Radiosendungen auf und er nehme in seinen Analysen eine Täter-Opfer-Umkehr vor.

Angenommen, die Vorwürfe stimmen. Deswegen hat Herr Baud ja dennoch gegen kein Gesetz verstossen. Wer Propaganda verbreitet, handelt nicht illegal.

VL: Genau. Dennoch hat Herr Baud nie in irgendeiner Form eine Täter-Opfer-Umkehr gemacht und auch nie behauptet, die Ukraine sei selbst schuld am Krieg, weil sie in die NATO oder EU wolle. Es stimmt auch nicht, dass er einseitig die russische Sicht wiedergibt. Herr Baud hat alle Anfragen solcher Medien, wie zum Beispiel von RT, abgelehnt. Er ist nie bei RT oder einem Sender aus dem Osten aufgetreten. Die Sanktionen sind Quatsch und es ist entsetzlich, dass Herrn Baud sämtliche Rechte vorenthalten werden.

Das Groteske an diesem Fall ist ja, dass das Sanktionsverfahren kein Rechtsverfahren darstellt. Es ist eine Massnahme als Folge einer politischen Entscheidung – abgesehen davon, dass die inhaltlichen Vorwürfe haltlos sind. Es braucht keine zwei Minuten, um sie klar zu widerlegen. Ich kann mir kaum jemanden vorstellen, bei dem die Vorwürfe noch absurder sein könnten als Herr Baud. Jeder, der seine Werke kennt, weiss, dass er sich jeglicher Einseitigkeit enthält und als Schweizer auf seine Neutralität pocht. Er weiss, wovon er spricht und worüber er schreibt. Seine Werke sind gründlich und greifbar. Er hat in vielen Kriegsgebieten gearbeitet, in Bürgerkriegen vermittelt, sich für ein Verbot von Personenminen engagiert und Politiker durch Minengebiete geführt und ihnen gezeigt, welche Folgen sie verursachen. Er ist also ein anerkannter Experte mit enormen Verdiensten auf seinem Gebiet.

So kann man zum Schluss kommen, dass die EU Herrn Baud sanktioniert, weil er eine andere Meinung vertritt als das offizielle Narrativ zum Ukrainekrieg. Man will eine unliebsame Stimme aus der Debatte verbannen. Wie passt das zu den verbrieften und immer gerne betonten Werten der EU wie Meinungsfreiheit?

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Dr. iur. Valentin Landmann gilt als einer der bekanntesten Rechtsanwälte der Schweiz. Er praktiziert in eigener Advokatur in Zürich, war Dozent für Strafverteidigung an der Universität Luzern und hat mehrere Bücher veröffentlicht. Von 2019 bis 2023 sass Landmann für die Schweizerische Volkspartei (SVP) im Zürcher Kantonsrat. 
valentin-landmann.ch 

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Buchtipp: Jacques Baud: «Peace in Ukraine», 2026, 360 Seiten, Max Milo Éditions. Erhältlich in Englisch und Französisch. Baud beschreibt, wer Konfliktlösungen gesucht und den Frieden bisher verhindert hat.


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