Epstein-Files – wie tief ist der Sumpf?
Briefwechsel mit Frank Höfer
Lieber Frank
Je mehr ich deine Recherchen zu Jeffrey Epstein und seinen Verbindungen zu BND, Mossad, den Rockefellers oder auch Erben wie Nicole Junkermann verfolge, desto mehr wirkt selbst die Veröffentlichung seiner privatesten E-Mails auf mich wie eine Inszenierung: Einblicke in Kontakte zu Promis, Politikberatern und Bankern, von denen er Gelder, Informationen, aber auch Menschen bezog. Geschwärzte Akten, Millionen fehlende Seiten und Anhänge – genug, um Vorwürfe wie Menschenhandel, Kindesmissbrauch sowie Korruption und Insidergeschäfte bis in höchste Kreise anzudeuten, aber zu wenig, um sie juristisch greifbar zu machen. Zurück bleiben Wut, Resignation, der Eindruck von Beschäftigungstherapie – alles, nur keine Handlungsmacht. Glaubst du, diese Veröffentlichungen wurden genau dafür gewählt? Um uns im Spiel von Macht und Ohnmacht selbst zu Opfern zu erklären?
Allgemein liest sich vieles wie ein Skript – Figuren, die sich in Epsteins Umfeld wie auf einem Schachbrett anordnen. Wer war dieser Mann? War er nur Täter – oder am Ende doch ein Bauernopfer? Wie hoch reichten seine Verbindungen wirklich? Zeigen sie vielleicht weniger auf einen einheitlichen Plan als auf konkurrierende Netzwerke, die gegeneinander operieren?
Gerade vor diesem Hintergrund interessiert mich – ähnlich wie dich – die ideologische Ebene: Epstein bewegte sich im Umfeld von Transhumanisten, von Ideen wie Initiative 2045 und der Vorstellung, Bewusstsein «speichern» zu können. Was lange wie Science Fiction wirkte, erscheint hier plötzlich als mögliches Langzeitprojekt. Für wie realistisch hältst du es, dass gerade das Versprechen von Unsterblichkeit – als letzter unerfüllter Traum einer Elite, die sonst alles besitzt – zum eigentlichen Hebel ihrer Korrumpierung wurde?
Und was glaubst du, wie viele von Epsteins Anhängern wussten, dass sie womöglich «Experimente» finanzierten, Menschen unter Extrembedingungen in «seelenspaltende» Zustände zu bringen, um Inselbegabungen wie Kybernetik zur Steuerung von Materie durch mentale Fähigkeiten hervorzurufen? Galt dieses – stark an die Erfolgsserie «Stranger Things» erinnernde – Hervorbringen neurologischer Schäden wirklich der Erforschung von Bewusstsein als grösser angelegtes Wissen, auf das wir nur unter bestimmten «Umständen» zugreifen können? Oder war auch das nur der wissenschaftliche Überbau für etwas noch Grösseres? Noch Diabolischeres?
So erscheint mir zumindest diese Epstein-Verbindung: Wenn der Mensch als fehlerhaft gilt – als Wesen, das zu Dingen wie Missbrauch fähig ist –, entsteht daraus nicht zwangsläufig die Erzählung, dass seine «Ablösung» eine Art «moralischer» Fortschritt wäre? Transhumanismus nicht als Abschaffung, sondern als Evolution des Menschen? Ist diese Spaltung innerhalb der Menschheitsentwicklung nicht genau das, was die Epstein-Files zutage bringen? Die Entscheidung zwischen echtem Bewusstsein und dem Ende allen Lebens?
Ganz herzlich,
Lilly Gebert
Redaktorin «DIE FREIEN»
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