Krieg im Nahen Osten
Iran und Palästina – Opfer eines geopolitischen Theaters
Sei es der Krieg gegen den Iran, die Zerstörung des Gazastreifens oder der Regimewechsel in Venezuela und möglicherweise bald auch in Kuba – wir sind in einer Art Welttheater gefangen. Ist es Zufall, dass die teilweise Freigabe der Epstein-Akten mehr oder weniger mit dem Beginn der israelisch-amerikanischen Aggression gegen den Iran zusammenfiel? Es gibt keine Zufälle.
Es ist ein unsägliches Verbrechen: die unprovozierte Aggression Israels und der USA gegen den Iran, bei der schon am ersten Kriegstag mehr als 170 Schulmädchen gezielt und vorsätzlich mit einer Präzisionsrakete getötet wurden. Das sind schreckliche Nachrichten für ein oder zwei Tage, dann geht man zum nächsten «Ereignis» über, zum nächsten Kriegsverbrechen, und zum übernächsten.
Dass zionistische Juden Kinder und insbesondere Mädchen und Frauen töten – das sieht man im Gaza-Krieg und nun auch im Iran klar und deutlich. Mädchen und Frauen sind die Trägerinnen zukünftiger Generationen. Zionisten sehen es als ihre gottgegebene Pflicht an, Muslime auszurotten. Und wohlgemerkt, das liegt nicht nur an den geringfügigen Unterschieden des Islams zum Glauben derer, die an Talmud oder Tora glauben. Das mag zwar ihr «religiöser» Vorwand sein. Doch der wahre Grund ist das Streben des zionistischen Israels nach Grossisrael – ein Plan, der seit über 100 Jahren existiert und den grössten Teil des Nahen Ostens und damit den Grossteil seiner Energieressourcen umfassen soll.
Der zionistische Krieg um Gaza und Palästina
Die Idee, das historische Palästina in Israel einzuverleiben, entstand bereits 1917 mit dem selbsternannten Chefzionisten Grossbritanniens, Lord Walter Rothschild, der am 2. November 1917 in einem Brief den damaligen britischen Aussenminister James Balfour aufforderte, eine «nationale Heimstätte für das jüdische Volk» in Palästina zu errichten. Daraus ging schliesslich die berüchtigte Balfour-Deklaration hervor.
Am 29. November 1947 verabschiedete die UN-Generalversammlung die Resolution 181(II), die den Plan zur Teilung Palästinas in eine Zwei-Staaten-Wirtschaftsunion billigte. Am 14. Mai 1948 erklärte Israel seine Unabhängigkeit. Damals hatte die UNO nur 51 Mitglieder, die mehrheitlich dem Westen zugeneigt waren. Daher überrascht es nicht, dass die Balfour-Deklaration ratifiziert wurde.
In den 1990er-Jahren kam die Vermutung auf, dass es vor der Küste des Gazastreifens riesige Gas- und Erdölvorkommen geben muss. Während dieser Zeit arbeitete ich zeitweise in Palästina, insbesondere im Gazastreifen, und erhielt daher einige persönliche Einblicke in die damaligen Ereignisse, wie beispielsweise die Aufkündigung der Oslo-Abkommen durch Israel in den Jahren 1993 (Erklärung I) und 1995 (Erklärung II). Gemäss diesen im Wesentlichen auf einer Zwei-Staaten- Lösung basierenden Abkommen wären die beiden souveränen Nationen Palästina und Israel Eigentümer der natürlichen Ressourcen auf ihrem jeweiligen Territorium gewesen, darunter Wasser und Energie (Gas). Etwa 75 bis 80 Prozent des gesamten Wassers in der Region befanden sich auf oder unter palästinensischem Gebiet.
1999 erteilte die Palästinensische Autonomiebehörde dem Energiedienstleister British Gas ein 25-jähriges Explorationsrecht. Und im Jahr 2000 wurde ein Gasvorkommen von über einer Billion Kubikfuss offiziell bestätigt – heute ist diese Zahl deutlich höher, der Wert wird auf über eine Billion Dollar geschätzt. Ist es nicht offensichtlich, dass das zionistische Israel sich diesen Erdgasschatz aneignen wollte?
Die Hamas wurde 1987 von Israel durch die berüchtigten «Drei Augen» – Mossad, CIA und MI6 – gegründet. Diese arbeiten häufig in weltweiten Geheimdienstangelegenheiten zusammen. Der «Überraschungsangriff» vom 7. Oktober 2023 wurde mindestens drei Jahre zuvor von Israel in Zusammenarbeit mit eingeschleusten Hamas-«Führern» geplant, um Israel grünes Licht für einen Grossangriff auf Gaza zu geben. Israels Ziel: die vollständige Vernichtung der Bevölkerung Gazas und die Aneignung Gazas, insbesondere seiner gasreichen Offshore-Gebiete.
Dies geschieht mithilfe der USA unter Trump in seiner ersten und nun in seiner zweiten Amtszeit. Diese Reichtümer sollen natürlich geteilt werden. Trump schliesst zwar Deals ab, aber verschenkt nichts. Ohne die Waffen- und Geldlieferungen der USA hätte das zionistische Israel diesen und andere Kriege nicht gleichzeitig führen können. Da die Zionisten aber auch Washington kontrollieren, war die Zusammenarbeit eine Selbstverständlichkeit. Inzwischen kursieren widerliche Bilder, die das bis auf den letzten Ziegelstein zerstörte Gaza als neues Luxus-Strandresort Gaza Beach präsentieren, mit einem herausstechenden «Trump Tower». Doch weiterhin nickt ein Grossteil der Welt nur. Was läuft hier schief?
Interessanterweise spricht kein einziges Mainstream- Medium über die Billionen Dollar teuren Gasvorkommen vor der Küste des Gazastreifens, während internationale Gesetze weggeworfen werden wie verdorbenes Gemüse. Es ist ein böser Kult, der die Welt regiert und von einem Grossteil des Westens, insbesondere der EU und der nie gewählten Präsidentin der Europäischen Kommission unterstützt wird. Übrigens hat Madame von der Leyen einen Ehrendoktortitel der Universität Tel Aviv und schüttelt dem Kriegsverbrecher Netanjahu lächelnd die Hand.
Wie war das mit «Irans Atomwaffen»?
Der Krieg gegen den Iran wurde jahrelang unter verschiedenen Vorwänden geplant – immer von Israel mit Washington im Schlepptau. Doch die Vorgeschichte ist nicht so einfach, wie es zunächst scheinen mag. Laut den Inspektoren der Atomenergiekommission der Vereinten Nationen (UNAEC) verfügt der Iran über rund 480 Kilogramm Uran, das auf etwa 60 Prozent angereichert ist, während für waffenfähiges Uran 90 Prozent Anreicherung erforderlich sind. Gemäss dem Atomabkommen JCPOA (Joint Comprehensive Plan of Action) von 2015 musste sich der Iran auf eine Urananreicherung von maximal 3,67 Prozent U-235 beschränken. Der Iran hielt sich daran, was zweimal jährlich von den UNAEC-Inspektoren in Wien bestätigt wurde.
Als Trump im Mai 2018 aus dem Abkommen ausstieg und die Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft setzte, sah sich der Iran berechtigt, es ebenfalls zu brechen und begann, seine Urananreicherung zu intensivieren. Der Iran hatte jedoch stets beteuert – und es bewiesen –, dass er keine Absicht hat, Atomwaffen herzustellen, sondern das angereicherte Uran für zivile Zwecke, nämlich zur Stromerzeugung zu nutzen. Und dies ungeachtet der Tatsache, dass Irans Nachbar Israel schätzungsweise mindestens 300 Atomsprengköpfe besitzt – möglicherweise sogar mehr. Israels Atomwaffenbesitz ist inoffiziell, nirgendwo registriert, wird nie von der UNAEC überprüft, aber von den USA und damit auch von deren Verbündeten weltweit toleriert. Israel stellt damit eine Gefahr für den Nahen Osten, vor allem für den Iran und gewissermassen für die ganze Welt dar. Doch dem Iran ist es nicht einmal erlaubt, angereichertes Uran für zivile Zwecke zu besitzen!
Trump und seine Militärführung wollen eigentlich keinen Krieg mit dem Iran – der Iran ist nicht der Irak, und es könnte ein langwieriger, geradezu endloser Krieg werden. Das mag zwar gut für die Rüstungsindustrie sein, aber nicht unbedingt für Trump und die anstehenden Zwischenwahlen. Für Trump wäre es gut, jetzt keinen Krieg zu führen. Erinnern wir uns nur an den zwölftägigen Krieg im Juni 2025: Obwohl Washington ausnahmsweise vernünftig war und keinen Krieg gegen den Iran anstrebte, hat Netanjahu so viel Druck auf die US-Regierung ausgeübt, dass Trump sich nun doch «verpf lichtet» fühlte, mitzumachen. Wie kam es dazu?
Ende Dezember 2025 wurde Netanjahu zu Trumps hochkarätiger Silvesterparty in Mar-a-Lago eingeladen. Er traf bereits am 29. Dezember ein, um über Gaza und den Iran zu sprechen. Dabei soll Netanjahu erneut darauf bestanden haben, dass der Iran angegriffen werden müsse – nicht wegen der nuklearen Bedrohung, sondern weil die Produktions- und Lagerstätten für iranische Überschallraketen zerstört werden müssten, da das israelische Raketenabwehrsystem diese nicht effektiv abfangen könne. Trump zögerte offenbar erneut. Er sagte, es sei nicht der richtige Zeitpunkt für einen Angriff auf den Iran. Netanjahu erinnerte seinen Vertrauten und Kampfgefährten daraufhin an die Epstein-Akten, in denen Trumps Name mindestens 3000 Mal auftaucht. Eine Drohung, auf die Trump einlenkte und einem baldigen Kriegseintritt Israels gegen den Iran zustimmte. Es gibt zwar keine Beweise dafür, aber die Indizien machen dieses Szenario sehr plausibel.
Am 20. Februar 2026 einigten sich die USA und der Iran auf eine dritte Runde der Atomgespräche in Genf. Trump setzte den Parteien ein zehntägiges Ultimatum. Unter omanischer Vermittlung begannen die Verhandlungen am 25. Februar. Bis zum 26. Februar hatte man keine Ergebnisse erzielt, weil die Trump-Administration keinerlei Urananreicherung vonseiten des Irans akzeptierte, nicht einmal die 3,67 Prozent aus der früheren Vereinbarung. Die Gespräche sollten am 2. März in Wien fortgesetzt werden.
Am 28. Februar begann Netanjahu nach gegenseitiger Übereinkunft mit den USA mit Raketenangriffen auf Teheran und ein Dutzend weiterer Orte im Iran, darunter eine Mädchengrundschule in Minab, wo mehr als 170 Schulmädchen ums Leben kamen. Kurz darauf stieg das US-Militär mit Bombenangriffen ein. Der Angriff war mit Sicherheit schon vor Beginn der Verhandlungen geplant. Das ist eine typische Täuschungstaktik Washingtons, um den Eindruck zu erwecken, alles laufe nach Plan.
Die wahren Drahtzieher des Kriegs
So nahm der Krieg seinen Lauf, und wir sehen, wie schlecht er durchdacht war, da der Iran seine Position behauptet und Israel und die USA in vielerlei Hinsicht verlieren. Doch auch das ist Teil des Welttheaters. Denn raten Sie mal, wo die wahren Drahtzieher dieses Krieges sitzen: In der City of London. Die City of London ist eine etwa eine Quadratmeile grosse Enklave im Zentrum Londons. Sie ist ähnlich wie der Vatikan in der Stadt Rom, unabhängig, und etwa genauso verwerf lich. Sie wird von den ganz Grossen der Finanz-, Bank- und Versicherungsbranche dominiert, zum Beispiel dem Versicherungs- und Rückversichungsmarkt Lloyd’s.
Die meisten Menschen glauben, dass der Iran die Strasse von Hormus abgeriegelt habe. Tatsächlich wurde diese aber nicht vom Iran, sondern von der City of London abgeriegelt, im Wesentlichen von Lloyd’s. Wieso? Weil dieser sich die Verluste nicht leisten könnte, wenn Schiffe durch den Iran oder die USA und Israel bombardiert oder versenkt werden. Die Schiffe sind nämlich bei Lloyd’s versichert – auch die iranischen.
Faktisch wird eigentlich alles von der City of London aus entschieden. Wer kontrolliert die City of London? Es sind dieselben Leute, die Israel steuern und für die Aggressionen gegen den Iran und gegen Palästina verantwortlich sind. Es sind dieselben Leute, die auch Washington regieren. Dieselben Leute, die den Federal Reserve Act geschaffen haben, dieses Dollar-Schneeballsystem, in dem wir heute leben. Die Hauptaktionäre der Fed, eine der wenigen privaten Zentralbanken der Welt, sind Banker und Finanziers der City of London. Dasselbe gilt für die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Auch sie befindet sich in Privatbesitz und gehört zur City of London, die über 90 Prozent aller Zentralbanken und 95 Prozent aller weltweit handelbaren Währungen kontrolliert, davon rund 60 Prozent in US-Dollar – und nur fünf Prozent in chinesischen Yuan, der Währung der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt. Merke: Der chinesische Yuan wird von einer soliden Wirtschaft gestützt. Der allmächtige US-Dollar hingegen ist durch nichts, rein gar nichts gedeckt! Der Iran ist eines der wenigen wichtigen Länder, die nicht der BIZ angehören, was den Verantwortlichen in der City of London überhaupt nicht gefällt.
Es werden immer mehrere Absichten gleichzeitig verfolgt; sie sind nur oft nicht sofort erkennbar. Der Hauptgrund für die Reaktion der City of London im Iran- Konf likt liegt nebst dem Risiko gesunkener Schiffe im schwindenden Wert und der abnehmenden Dominanz des US-Dollars: Immer weniger wird der Kohlenwasserstoffhandel in US-Dollar abgewickelt und immer mehr Nationen halten ihre Reserven in Gold und anderen Währungen, wobei der chinesische Yuan zu einer immer wichtigeren Reservewährung geworden ist. Der Krieg soll den Iran auch dazu zwingen, seine Kohlenwasserstoffe wieder in US-Dollar zu verkaufen und schliesslich der BIZ beizutreten, dem Herrschaftsbereich der City of London.
Genau das war auch einer der Hauptgründe für den Sturz der Maduro-Regierung durch Trump Anfang Jahr: Venezuela verfügt über die weltweit grössten nachgewiesenen Kohlenwasserstoffreserven. Bis zum 2. Januar wurde die Energie dort nicht in US-Dollar, sondern hauptsächlich in chinesischen Yuan verkauft. Seit Trump die Regierung gestürzt hat, wird Benzin aus Venezuela in US-Dollar abgerechnet. So soll der Dollar wieder zum Petrodollar werden – und damit zu einem Instrument zur Bestrafung und Sanktionierung von Ländern und Völkern weltweit, die sich falsch verhalten.
25 Prozent aller Kohlenwasserstoffe, die weltweit als primäre Energiequelle genutzt werden, passierten vor dem Krieg die Strasse von Hormus. Natürlich ist der Kohlenwasserstofftransport durch die Blockade drastisch eingebrochen. Betroffen davon sind vor allem asiatische Kunden, insbesondere China, das 40 Prozent seines Öls und Gases aus dem Golf bezieht, aber auch Europa.
Dieser Krieg ist also in mehrfacher Hinsicht attraktiv: Der US-Dollar gewinnt an Wert, Bedeutung und Dominanz. Die US-amerikanische Dominanz im Benzinmarkt nimmt zu. Die Rüstungsindustrie erlebt einen neuen Boom. Die City of London weitet unbemerkt ihre Macht und Kontrolle aus. Und nicht zu vergessen: Präsident Trump führt einen Wirtschaftskrieg gegen China. Trump denkt sich, die Zurückhaltung von Energielieferungen an China werde sich sicherlich auf die chinesische Wirtschaft auswirken. China ist jedoch gut vorbereitet. Es verfügt über mehrere alternative Bezugsquellen, zunächst einmal in Russland und des Weiteren in Asien. Und die asiatische Solidarität unterscheidet sich deutlich von der des strauchelnden Westens. Sie ist stabil und widerstandsfähig.
Und zu guter Letzt wird der Iran-Konflikt eben aufgrund des zionistischen Traums eines Grossisraels vorangetrieben. Dies bleibt jedoch nur ein Traum, der sich aufgrund dieser unmenschlichen, völkermörderischen Aggression selbst zerstören wird. Es ist ein verhängnisvoller Krieg, den Israel nicht gewinnen kann, nicht einmal mit der hochentwickelten Rüstung der Vereinigten Staaten.
***
Peter Koenig ist Geopolitikanalyst, ehemaliger Ökonom bei der Weltbank und der Weltgesundheitsorganisation (WHO), für die er über 30 Jahre weltweit tätig war. Er ist Buchautor, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Centre for Research on Globalization und Senior Fellow an der Renmin-Universität in Peking.
***
Dieser Artikel basiert auf dem Beitrag «The War with Iran: Part of a ‹World Stage› Theatre Where We Are ‹Both Spectators and Actors›», der im März auf Global Research erschien.
Hat dir der Artikel gefallen? Dann bestelle jetzt ein Abo in unserem Shop!
Deine Meinung ist uns wichtig: Teile dich mit und diskutiere im Chat mit unseren Lesern.