Die humane Marktwirtschaft

Ein Wirtschafts- und Finanzsystem zum Wohle aller Menschen ist möglich. Eine durchdachte Diskussionsgrundlage für eine humanistische Ära ohne digitales Zentralbank-Fiatgeld.

Die wahre Ursache für Armut und Unfrieden ist unser derzeitiges Geldsystem. Unser von den Banken in beliebiger Menge aus dem Nichts gedrucktes, alltägliches Zahlungsmittel wird in Form von Gewinnen und Zinsen der Realwirtschaft entzogen und wandert über die Börse auf die Konten der reichsten 0,1 Prozent, die immer mehr Macht und Kontrolle anhäufen und Land aufkaufen, während andere verhungern. Das zeigt eindrücklich die jährliche Oxfam-Studie.

Dieses Ungleichgewicht wäre mit der humanen Marktwirtschaft vorbei. Für die Funktion der Wertaufbewahrung gäbe es digitale Konten in einem sogenannten Wertspeicher. Diese neue Institution wäre nicht staatlich, sondern befände sich im Volkseigentum. Er wäre ausgestattet mit einem maximalen Datenschutz und einem unveränderbaren Regelwerk. Um einen sanften Übergang zu ermöglichen, würde man hierfür die finanziellen Rücklagen, also die Ersparnisse, Renten und Versicherungsbeiträge aller Bürger, in den Wertspeicher überführen. Das Geld im Wertspeicher kann jederzeit zu Kreislauf-Geld umgewandelt werden.

Zum Kreislauf-Geld zählen die Guthaben auf Girokonten bei den herkömmlichen Privatbanken und das gute alte Bargeld, die Basis unserer Freiheit. Dieses Bargeld könnte weiterhin wie aktuell aussehen. Seine Gesamtmenge jedoch wäre zum ersten Mal begrenzt. Das Monopol der Banken, Schuld-Geld zu schöpfen und dafür Zinsen zu verlangen – und den damit verbundenen Wachstumszwang – gibts nicht mehr. Das Zentralbankensystem wird abgeschafft. Vereinfacht gesagt, wäre die Gesamtmenge an Kreislauf-Geld so hoch wie alle monatlichen Einkommen und es wird periodisch (analog der Bevölkerungszahl) angepasst. Durch diese natürlich begrenzte Kreislauf-Geldmenge wird eine Inflation verunmöglicht.

Jeder Kreislauf-Geldschein wird mit einem Ablaufdatum bedruckt. Eine Gebühr (zwölf Prozent pro Jahr) wird fällig, wenn der Schein nicht rechtzeitig bei der Bank oder dem Detailhändler ausgetauscht wird. Dieses Prinzip bezeichnet man als fliessendes Geld. Unsere Wirtschaft würde in kürzester Zeit aufblühen, da es plötzlich viele zahlungsbereite Kunden gibt. Die Umlaufgeschwindigkeit steigt. Wer Ende Monat mehr als zum Beispiel 5000 Franken auf seinem Girokonto hortet, dem wird eine Gebühr von drei Prozent belastet, es sei denn, er überweist es auf sein Konto im Wertspeicher, von wo praktisch alle Überweisungen innerhalb des Wertspeichers getätigt werden können. Die Gesamtliquidität im Wertspeicher wird in nachfolgender Priorität an denjenigen in der Realwirtschaft zurückfliessen, der zuerst danach fragt:

1.) Bürger heben ihr privates Geld wieder ab.

2.) Banken vergeben Investitionskredite für die Realwirtschaft, wobei die Zinserträge (inkl. zwölf Prozent Konsumkredite) nicht mehr an die Bank, sondern in einen Fonds für Härtefälle gehen. Dieser erhält zusätzlich die drei Prozent Börsenumsatzsteuer. Damit wird das Leben der Arbeitsunfähigen finanziert.

3.) muss der Staat das restliche Geld im Wertspeicher Ende Jahr bestmöglich zugunsten des Gemeinwohls investieren. Für Rüstung und Kriege bliebe da kaum etwas, denn die Bürger haben in einer direkten Demokratie das letzte Wort.

Dadurch würde sichergestellt, dass es in der Realwirtschaft im Gegensatz zu heute nie wieder einen Mangel an Geld gibt. Und da es keine Inflation mehr gibt, hat jeder Bürger eine maximale finanzielle Planungssicherheit bis ans Lebensende. Spekulation und Gewinnabflüsse mit der Verwaltung unserer Altersvorsorgegelder sind unmöglich – anders als heute!

Ein nicht profitorientiertes Gesundheitssystem und ein knappes Grundeinkommen für alle werden durch eine Art Mehrwertsteuer von etwa 20 Prozent auf alle Produkte und Dienstleistungen finanziert.

Der abgespeckte Staat finanziert sich nicht mehr durch eine Besteuerung von Arbeit und Vermögen, sondern nur noch durch eine 40-prozentige Gewinnsteuer auf leistungsloses Einkommen wie Mieten, Dividenden, realisierten Aktien- und Konzerngewinnen. Für Angestellte hingegen gibt es keine Steuern, kein Finanzamt, keine Bürokratie.

Grundeinkommen und Fonds für Härtefälle ersetzen das Sozialsystem. Nach einem Staatsschuldenerlass entfällt der staatliche Schuldendienst und ein Grossteil der Militärausgaben würde gestrichen werden.

Banker und viele Superreiche mögen diese Ideen nicht. Ihre unsympathischen Grosskonzerne würden ihre Lohnarbeiter verlieren, weil viele vielleicht lieber für ein sympathisches Kleinunternehmen arbeiten würden. Andere könnten sich dank fehlender Steuern und Grundeinkommen selbstständig machen.

Solch ein nicht kapitalistisches Geldsystem kann man auch in einem weltweiten kapitalistischen Geldsystem einbetten. Eine zusätzliche Auslandsabteilung kann die Exportüberschüsse oder -defizite mit den kapitalistischen Zentralbanken anderer Staaten genauso wie heute ausgleichen, aber nur durch gedeckte Geldscheine oder Gold.

Vor dem Ersten Weltkrieg diskutierten bereits berühmte Erfinder wie Rudolf Diesel und Silvio Gesell über eine humane Marktwirtschaft. Allerdings lief diese Idee mit dem Beginn dieser Urkatastrophe ins Leere. Die Bücher wurden verbrannt und das Ergebnis war eine Konkurrenz von Kapitalismus und Kommunismus. Kapitalismus und Kommunismus unterdrücken die Menschen. Der wahre Konkurrent dieser beiden Systeme ist die humane Marktwirtschaft. Sie ist eine durchdachte Diskussionsgrundlage für eine humanistische Ära ohne digitales Zentralbank-Fiat-Ggeld. ♦

von Peter Haisenko

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Peter Haisenko war 30 Jahre lang als Verkehrspilot tätig. Seit 2004 schreibt er als Autor und Journalist zu den Schwerpunkten Wirtschaft, Historie, Politik und Luftfahrt. Haisenko ist Gründer des AnderweltVerlags des Online-Magazins «Anderweltonline».

Sein Buch «Die Humane Marktwirtschaft. Das Wirtschafts- und Finanzsystem zum Wohle aller Menschen» (210 S.) ist im Buchhandel oder direkt beim AnderweltVerlag erhältlich.

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Quellen:

– Odysee: Plan B – Die humane Marktwirtschaft (2022) Doku

https://odysee.com/@Zivilcourage:4/Plan-B–Die-Humane-Marktwirtschaft:7

– Oxfam: Soziale Ungleichheit überwinden

https://www.oxfam.de/unsere-arbeit/themen/soziale-ungleichheit

– YouTube: Die Humane Marktwirtschaft in 13 Min (2023 ENG SUB)


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