Gegenwind

Die Windkraft-Offensive ist nicht das, wofür sie uns verkauft wird. Die schädlichen Auswirkungen von Windrädern auf Mensch, Tier und Natur sind immens. Nicht Umweltschutz steht im Vordergrund, sondern satte Gewinne der Investoren, die mit Subventionsgeldern fürstlich belohnt werden.

Bis zu einer Million Schweizer Franken an Subventionen pro Windrad und Jahr sind für die Investoren nicht unrealistisch. Deshalb werden landauf, landab wundersame «Informationsveranstaltungen» durchgeführt, in denen die Bürger «erfahren», dass von Windkraftanlagen keine gesundheitlichen Probleme ausgehen – auch dann nicht, wenn nur ein minimaler Abstand von 300 Metern zwischen Windrad und besiedeltem Gebiet besteht. Erneuerbare Energien sind zweifelsfrei eine lohnenswerte Sache. Ob jede Form der Stromproduktion überall in der Schweiz sinnvoll ist, ist jedoch mehr als fragwürdig.

Die Schweiz ist kein Windkraftland

Wie das Bundesamt für Energie BFE aufzeigt, bildet die Wasserkraft mit einem Anteil von 56 Prozent an der gesamten Stromproduktion das Rückgrat der Energiegewinnung in der Schweiz. Diese Art der Stromproduktion gilt als erneuerbar und emissionsfrei. Nebst dem, dass sehr hohe Wirkungsgrade (bis über 90 Prozent) erreicht werden, ist die Nutzung von Wasserkraft grundlastfähig. Das heisst: Es lässt sich damit kontinuierlich Strom produzieren, und das nachhaltig, weil die Lebensdauer von Wasserkraftanlagen bei über 90 Jahren liegen kann.

Windkraftanlagen hingegen sind nicht grundlastfähig. In der Schweiz stehen die Windräder häufig an drei bis vier Tagen in der Woche still. Der Wirkungsgrad einer Anlage liegt deshalb im Durchschnitt bei fünf bis acht Prozent und die Lebensdauer von Windrädern wird mit maximal sieben bis 20 Jahren beziffert.

Um mir ein besseres Bild über Windkraftanlagen zu machen, habe ich das Haldenstein-Calanda-Windrad besichtigt. Es ist 175 Meter hoch, hat einen Mastendurchmesser von vier Metern und wurde 2013 in einem Kieswerk erbaut. Tote Vögel habe ich unter dem Windrad in Haldenstein keine gesehen, wohl aber den Lärm und den Schlagschatteneffekt der sich mit bis zu 270 Stundenkilometern drehenden Rotorblätter erlebt. Das Einschalten des Windrads lohnt sich erst ab einer Windstärke von 20 Stundenkilometern, da sonst die Betriebskosten höher ausfallen als der Ertrag. Da sich das Windrad immerhin alle zwei bis drei Tage dreht, sind die Betreiber mit dem Stromertrag zufrieden. Zu erwähnen ist, dass die Subventionsbeiträge des Bundes für Windenergie zwischen 13 und 23 Rappen pro Kilowattstunde liegen, was der Calandawind AG pro Jahr fast eine Million Schweizer Franken an Subventionen einbringt.

Ein fragwürdiges Projekt

Kein Wunder wird die Windrad-Offensive hierzulande rasant vorangetrieben – die Betreiber erhalten quasi ein Rundum-Wohlfühlpaket an Subventionsgeldern, die letztlich von uns Bürgern bezahlt werden. Dabei sind die negativen Auswirkungen von Windrädern auf Menschen, Tiere und Umwelt immens. Sehr fragwürdig ist beispielsweise der Windpark, der auf der Waldegg, dem Hügelzug zwischen der Stadt St. Gallen und Teufen im Kanton Appenzell Ausserrhoden, oder auf dem St. Galler Rosenberg angedacht ist. Wie sähe dieser Windpark aus und was wären seine Auswirkungen?

Auf der Waldegg sprechen wir von neun geplanten Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von 210 Metern. Das entspricht mehr als dreimal der Höhe der St. Galler Klostertürme. Pro Windrad benötigt es einen Erschliessungskorridor von rund einer Hektare. Das bedeutet, dass für ein Windrad die Fläche von anderthalb Fussballfeldern abgeholzt werden muss. Sobald das Windrad steht, kann ein Drittel der gerodeten Fläche wieder aufgeforstet werden, die Restfläche von circa 4600 Quadratmetern muss jedoch baumfrei bleiben. Hinzu kommt das Sockelfundament aus Beton: Pro Windrad müssen circa 7000 Tonnen Aushub abgeführt werden, anschliessend werden bis zu 10’000 Tonnen Stahlbeton als Fundament im Boden verankert. Je nach Standort und Untergrund muss bis zu zwölf Meter tief gebohrt werden. Pro Windrad sind rund 1400 Lastwagenfahrten nötig. Dieser Stahlbetonsockel ist etwa zweimal so gross wie das St. Galler Waaghaus und für allemal vollversiegelt. An einen Rückbau eines solch grossen Betonsockels ist realistischerweise kaum mehr zu denken. Bei alldem ist zu bedenken, dass die Waldegg zu 84 Prozent kantonales Landschaftsschutzgebiet ist, und zu 63 Prozent bewaldet. Es gibt einen Wildtierkorridor und Einzugsgebiete von Habicht, Wanderfalke und Fledermäusen.

Umweltbelastend und gesundheitsschädlich

Was bei Windrädern häufig ausser Acht gelassen wird, ist der Schatten: Ein 200 Meter hohes Windrad kann morgens und abends während ein bis zwei Stunden einen bis zu 1400 Meter langen Schatten werfen. Tagsüber ist jedoch das weitaus grössere Problem der Schlagschatten – der mit dem Drehen des Windrads verbundene Stroboskopeffekt. Bei einem Abstand von 800 bis 1000 Metern zum Windrad wären immer noch etliche Stadtbewohner über mehrere Stunden täglich einem permanenten blitzartigen Hell-dunkel-hell-dunkel-Effekt ausgesetzt. Dies kann bei den Betroffenen zu Konzentrationsstörungen, Nervosität, Kopfschmerzen und Schlafstörungen bis hin zu epileptischen Anfällen führen.

Ein Windrad erzeugt ein ständig hörbares wellenförmiges Geräusch, das mit einer Lautstärke von 40 bis 70 Dezibel dem Lärm eines Staubsaugers entspricht. Hinzu kommt der Infraschall, der als Druck auf der Brust spürbar ist und nicht nur Schlafstörungen verursachen, sondern sich auch schädlich auf das Herz-Kreislauf-System auswirken kann.

Ein weiteres Problem von Windrädern ist der Eiswurf: Die Rotorblätter auf der Waldegg würden sich auf einer Höhe von 1200 Metern über Meer drehen, was bei Winterlage ungefähr der Schneefallgrenze in der Region entspricht. Bei Schnee und Eis müssen Windkraftanlagen entweder beheizt oder abgestellt werden, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. Bei einem 210 Meter hohen Windrad muss der Umkreis von rund 400 Metern als Gefahrenzone angesehen werden. Deshalb werden in Deutschland oder Skandinavien Windparks für Personen gänzlich gesperrt und sogar Grund- und Waldbesitzern bleibt die Zufahrt zu ihrem Eigentum zeitweise verwehrt.

Weitere Probleme entstehen beim Rückbau und der Entsorgung ausgedienter Windräder: Rotorblätter enthalten ungeheure Mengen an nicht wiederverwendbaren Karbonfaserstoffen, und die im Windrad enthaltenen PFAS-Gase gehören zu den «ewigen Chemikalien», die, wenn sie austreten, die Umwelt für immer vergiften.

Aufgrund von Zugangsbeschränkungen, Lärm und Schatten mindern Windkraftanlagen den Grundstückwert je nach Lage um zehn bis 27 Prozent. Sie verändern ausserdem das Mikroklima durch die Austrocknung der Böden. Ganz zu schweigen von der Verschandelung des Ortsbilds. Im Fall Waldegg droht St. Gallen die Streichung wichtiger Fördergelder aus dem UNESCO-Weltkulturerbe-Fonds. Mit einem Windpark wäre die wunderschöne Landschaft vor den Toren St. Gallens für Jahrzehnte keine Waldegg mehr. Ein Windegg würde es nie werden. Alles was bleibt, wäre einzig und allein ein Schandegg.

Statt Menschen, Tiere und die Natur mit Windrädern zu drangsalieren, wäre es weitaus lohnenswerter, endlich den Ausbau der Wasserkraft voranzutreiben. Allein die Erhöhung von Stauanlagen bereits existierender Stau-seen um circa einen Meter brächte im Winterhalbjahr ein zusätzliches Speicherpotenzial von bis zu 30 Prozent, wie die ETH Zürich 2018 errechnet hat. Setzen wir also besser auf Wasser-, statt auf Windkraft. ♦

von Dr. Esther Granitzer

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Dr. Esther Granitzer ist selbstständige Komplementärmedizinerin mit Rechtshintergrund, Mitglied des Stadtparlaments St. Gallen, der SVP-Gesundheitskommission und des katholischen Kantonsparlaments SG. Sie leitet die Aletheia-Gruppe in St. Gallen und ist Vizepräsidentin des Vereins Kinderrechte Ostschweiz.
esther-granitzer.ch


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