Fragebogen an Jasmin Kosubek

Wie viel Freiheit ertragen Sie?


Ertragen ist ein interessantes Wort in diesem Zusammenhang. Ich denke, ich beanspruche viel Freiheit für mich und würde politisch betrachtet noch viel mehr «ertragen». Natürlich geht diese Einstellung auch mit einer gewissen Toleranz gegenüber anderen einher, und dieser Muskel wird in Berlin sehr gut trainiert. Somit schätze ich meine Freiheitstoleranz als sehr hoch ein.


Wann fühlten Sie sich das letzte Mal so richtig frei?


Auf dem «Hohen Dieb» in Südtirol. Die Berge haben einfach eine unglaublich befreiende Wirkung.


Was glauben Sie, woher Sie kommen?

Ich komme aus einem kleinen Dorf am Fusse der schwäbischen Alb. Aber ich schätze, dass Sie mit dieser Frage eher das grosse Rätsel der Menschheit gemeint haben. Wo kommen wir her? Über diese Frage kann man herrlich philosophieren oder wissenschaftliche Theorien und Hypothesen aufstellen. Im besten Fall können wir uns der Wahrheit nähern. Ich habe jedenfalls keine schlüssige Erklärung.


Ihre erste Kindheitserinnerung?

Ich erinnere mich an das Dorf, in dem ich gross geworden bin. An den Steinbruch, den wir als Kinder immer wieder aufgesucht haben und das Hexenhaus, das uns allen irgendwie Angst gemacht hat. Ich erinnere mich an die gigantische rote Buche im Garten, an der wir hochgeklettert sind und an den kleinen Fluss, der in der Nähe unseres Hauses floss und so kalt war, dass es an den Füssen weh tat.


Warum sollte man Ihnen zuhören?


Ich würde es wohl anders formulieren: Man kann mir zuhören, da ich durchaus bemüht bin, ein breites Themenspektrum auf meinem Kanal abzubilden und somit eigentlich für jeden etwas dabei ist.

In welcher Rolle fühlen Sie sich am wohlsten?

Ich fühle mich wohl, wenn ich mich frei und unabhängig fühle und vor allem selbst über meine Zeit bestimmen kann.


Politik ist …?

Anstrengend, nervig, zeitraubend und in dem Masse, wie wir uns heute damit beschäftigen (müssen) absolut übertrieben. Auf der anderen Seite ist die Demokratie eine sehr voraussetzungsstarke Regierungsform, somit bleibt es nicht aus, sich einzumischen, wenn man etwas verändern möchte.


Wem vertrauen Sie?


Meiner Familie, meinem Mann und einer Handvoll Freunden.


Eher mass-los oder mass-voll?


Es gab wohl Phasen in meinem Leben, die man als mass-los bezeichnen könnte. Allerdings würde ich mich grundsätzlich doch eher als den mass-vollen Typen bezeichnen. Ich bin nicht dogmatisch und suche immer die Balance.


Wie viel Macht beanspruchen Sie für sich?


Das ist eine schwierige Frage. Ich weiss nicht, ob ich überhaupt Macht beanspruche, da ich eigentlich nur für mich, meinen Mann und im weitesten Sinne meine Familie Verantwortung trage. Somit spielt Macht für mich persönlich keine grosse Rolle.


Zu welcher Musik tanzen Sie sich frei?


Das ist ganz unterschiedlich. Die letzte erinnerungswürdige Tanznacht war zu 80er-Jahre-Musik und es war grossartig.


Ihr Lichtblick in finsteren Zeiten?


Die Natur.

Wie schärfen Sie Ihre Urteilskraft?

Ich versuche tatsächlich nicht zu urteilen, weder über mich oder andere. Was das Beurteilen angeht, so versuche ich, immer eine gewisse Durchlässigkeit zuzulassen, damit ich in meinen Ansichten nicht verharre.


Wo stehen Sie in Ihrer persönlichen Entwicklung?

Hoffentlich erst am Anfang.


Ihr grösster Erfolg?

Ich würde schon sagen, dass mein grösster Erfolg sich aktuell auf meine beruf liche Laufbahn beschränkt. Ich freue mich sehr, dass ich mich selbstständig machen konnte und meine Inhalte auf Interesse stossen. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Arbeit machen darf.


Was wollen Sie wirklich?


Das ist eine gute Frage. Ich habe das Gefühl, dass ich mich dieser Frage nur annähern kann, denn mein Wollen ändert sich fortlaufend. Grundsätzlich möchte ich ein interessantes Leben führen. Ich möchte interessante Orte sehen und Menschen kennenlernen. Ich möchte mein Leben leben und nicht geschehen lassen.


Was geschieht nach dem Ende?


Das weiss ich nicht. Ich kann dazu nur sagen, dass ich zwar etwas Angst vor dem Sterbeprozess habe, aber nicht vor dem Tod.


Kommt es gut?


Es kommt, wie es kommt. Mit dem zu sein was ist, ist die Herausforderung. ♦

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Jasmin Kosubek ist als Gesicht des russischen Nachrichtensenders RT DE bekannt geworden. Anfang 2022 hat sie sich mit ihrem eigenen YouTube-Kanal selbstständig gemacht und veröffentlicht regelmässig Interviews.

von Redaktion

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