Der visionäre Winzer vom Iselisberg

Roland und Karin Lenz produzieren am Iselisberg im Kanton Thurgau seit mehr als 25 Jahren Bioweine pur – und das heute völlig pestizidfrei. In ihren Weinen steckt somit noch mehr Bio, als es das Knospe-Label verlangt, verzichtet das Winzerpaar doch auch auf Kupfer und Schwefel, die im Biorebbau sonst gang und gäbe sind. Das Geheimnis der beiden Pioniere: pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Eine Erfolgsgeschichte.

Roland Lenz führt durch den üppig mit Trau-benrispen behangenen Rebgarten neben seinem Hof am Iselisberg, wo es summt und brummt, Schmetterlinge tanzen und unterschiedlichste Arten nebeneinander erblühen: Verschiedene pilzresistente Rebsorten – sogenannte Piwis –, pralle Grünflächen zwischen den Rebreihen und mitten in den Rebenreihen auch Haselnusssträucher, Mandel- und Walnussbäume. Rund 3000 Büsche, Gehölze und Bäume werden auf dem Weingut Lenz gehegt und gepflegt. «Dank unserer konsequent naturwertschätzenden Bewirtschaftungsweise hat sich der Boden unterdessen so gut erholt und ist dermassen fruchtbar geworden, dass wir auf derselben Fläche doppelt so viel Ertrag erzielen», erzählt Lenz freudestrahlend. Biodiversität ist bei ihm Trumpf. Deshalb wird er diesen Rebberg nun mit einem Obst- und Getreidegarten erweitern. «Wir lichten die Reihen aus und pflanzen dazwischen andere Kulturpflanzen an, etwa Dinkel, Hafer oder Buchweizen. Mit weniger Reihen, aber doppelt so viel Ertrag der Reben werden wir hier sogar mehr produzieren als vorher», so Lenz, «aber zusätzlich können wir noch Menschen ernähren mit Getreide oder Öl, falls wir zum Beispiel mal Lein, Flachs oder Hanf zwischen den Rebreihen anbauen.»

Was wie ein Märchen tönt, ist auf dem Rebhof Lenz gelebter Alltag. Weniger oder gar keine Pestizide und weniger Arbeitsaufwand ergeben einen höheren Ertrag, denn die Natur kann unter der Demeter-Bewirtschaftungsweise in ihrer ganzen Fülle erblühen.

Seit 1994 ist Roland Lenz mit den pilzresistenten Rebsorten unterwegs, und seit 1995 bewirtschaftet er seine Rebberge ohne chemisch-synthetische Hilfsstoffe. Auf Bioproduktion umgestiegen war er, weil er selber an einer durch Pestizide ausgelösten Allergie gelitten hatte. «Drei Stunden nach dem Ausbringen von Folpet, einem Wirkstoff von Bayer, war meine Haut jeweils stark gerötet und ich hatte Kopfweh», erinnert er sich. Dagegen nahm er dann eine Kopfwehtablette von Bayer, womit der Kreislauf geschlossen war – jedenfalls für Bayer. Doch die Agroindustrie hatte die Rechnung ohne den Winzer gemacht. «Was machen wir eigentlich hier?», fragte Roland Lenz eines Tages – und läutete die Wende auf seinem Betrieb ein.

Heutzutage werde auf den Beipackzetteln der Pflanzenschutzmittel sogar ausdrücklich davor gewarnt, drei bis vier Tage nach…

von Daniela Schwegler


Du möchtest den ganzen Artikel lesen? Dann bestelle jetzt ein Abo in unserem Shop.

Sie mögen vielleicht auch...

Beliebte Beiträge