Nur durch Frieden bewahren wir uns selber

Wie soll man leben in einer Welt, in welcher der Fortschritt von Wissenschaft und Technik zu einem massenweisen Hinmorden von Menschen vernutzt wird?

Gestartet von der Insel Tinian 2500 Kilometer im Südosten von Japan, brachte Major Paul Tibbets in dem Flugzeug, das den Namen seiner Mutter trug, «Enola Gay», die Bombe mit dem harmlos klingenden Namen «Little Boy» ins Ziel; um 8 Uhr 15 Ortszeit in einer Höhe von 580 Metern über dem Shinea-Krankenhaus im Zentrum der japanischen Stadt Hiroshima klinkte er sie aus, und was er damit anrichtete, liess die Welt für einen Augenblick erschaudern. «Wo gerade noch geschäftiges Treiben herrschte, sorgt der Blitz der ersten im Krieg eingesetzten Atombombe für ein Inferno. In Sekundenschnelle verwandelt eine gewaltige Druck- und Hitzewelle von mindestens 6000 Grad die Stadt in eine lodernde Hölle. Alles, was aufrecht stand, wird zerdrückt. – Von den 350´000 Bewohnern sterben auf einen Schlag mehr als 70´000 Menschen. Bis Ende Dezember 1945 erhöhte sich die Zahl der Toten auf 140´000. Verstört und mit Brandblasen übersät irren die Überlebenden durch die verwüstete Stadt …

Und warum? Die Bombe war nicht (mehr) nötig, um Japan zur Kapitulation zu zwingen, doch mit ihr konnte man den Sowjets zeigen, wer künftig als Nachfolger der Japaner Herr im Pazifik sein würde – so wie mit der Bombardierung Dresdens in Westeuropa. Seit 1945 bildete die Einkreisung Russlands und die Vorherrschaft im Pazifik das Hauptziel US-amerikanischer Aussen- und Militärpolitik. Sogleich nach der Kapitulation Japans errichteten die USA auf den Inseln ihre Militärstützpunkte, genauso wie in Europa ab 1949 zugunsten der Nato. – Paul Tibbets seinerseits verspürte über sein Handeln nicht den Hauch von Zweifel oder Reue – er hatte getan, was er sollte, und erklärte noch als 90-Jähriger: «Ich würde nicht zögern, wenn ich noch einmal die Wahl hätte.» Nicht anders dachte auch Major Charles Sweeney, der drei Tage später die Bombe über Nagasaki zündete, die weitere 70´000 Menschen in den Tod riss: «Befehl ist Befehl», erklärte er 1995 auf RTL, «jeder Soldat der Welt hätte dasselbe getan.» Damit hatte er leider recht …

von Eugen Drewermann


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