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«Bitcoin bedeutet finanzielle Souveränität»

Der Berner EDU-Grossrat Samuel Kullmann ist überzeugter Anhänger der Kryptowährung Bitcoin. Er gehört zu den wenigen Politikern in der Schweiz, welche dieses Thema in die öffentliche Debatte einbringen.

Samuel Kullmanns Einstellung zum Bitcoin kontrastiert das Bild, welches die Mainstreammedien von der Kryptowährung zeichnen. Ihre Vorwürfe lauten meist gleich: Bitcoin sei wegen der Kursausschläge bloss Spekulationsobjekt, werde wegen der Anonymität zur Finanzierung krimineller Aktivitäten missbraucht, und sei letztlich durch keinen realen Wert gedeckt. Kullmann widerspricht, für ihn ist der Bitcoin «ein grosser Durchbruch.» Seit fast zehn Jahren beschäftigt er sich genauer mit dem Finanzsystem. Es begann im Januar 2015, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs von 1.20 Franken pro Euro aufhob: «Dies führte zu extremen Kursschwankungen. Da fragte ich mich: Was passiert da genau?» Die SNB habe das nur gemacht, weil die Europäische Zentralbank (EZB) begann, für 60 Milliarden Euro monatlich Staatsanleihen zu kaufen. «Das klang ungesund.» Kullmann kam zum Schluss, dass es besser ist, unabhängiger von den Banken zu werden, denn die systemische Instabilität sei gross: Seit der Finanzkrise 2008 hätten allein westliche Grossbanken Strafzahlungen in der Höhe von 400 Milliarden Dollar leisten müssen.

Kullmann, der sich auch mit Gold und Silber auseinandergesetzt hat, weil sich damit Ersparnisse aus dem Bankensystem herausnehmen liessen, erwarb seinen ersten Bitcoin Ende 2016 – «für ungefähr 800 Franken». Mit der Lektüre von «Der Bitcoin-Standard» des Wirtschaftswissenschaftlers Saifedean Ammous habe er sein Verständnis für die Kryptowährung vertieft. Im April 2024 hat der 37-Jährige ein eigenes Buch zum Thema herausgegeben.

Unsicheres Fiatgeld

Das Hauptproblem im gegenwärtigen Finanzsystem laut Kullmann: Geld werde per staatliches Dekret zu Geld, «das aber durch nichts mehr gedeckt ist, wie es beim Goldstandard noch war. Durch Druck von Banknoten und Münzprägung gibt die SNB neues Fiatgeld heraus. Das entspricht aber weniger als zehn Prozent der Geldmenge.» Der Rest existiere nicht physisch, sondern entstehe durch Verschuldung. «Wenn sich Private, Unternehmen oder Staaten verschulden, schaffen Geschäftsbanken aus dem Nichts neues Geld, Buchgeld genannt.» So sei in den vergangenen 40 Jahren die Geldmenge des Frankens im Durchschnitt zwischen vier und fünf Prozent jährlich gewachsen. «Dieser Wert geht zulasten der Kaufkraft. Die meisten Leute wissen das nicht», sagt Kullmann. …

von Armin Stalder

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Weitere Infos zu Samuel Kullmanns Bitcoin-Engagement: kullmann-services.ch


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