Skip to main content

Strategen des Schreckens 

Hinter den Kulissen der Macht

Henry Kissinger und Zbigniew Brzeziński waren die einflussreichsten US-Strategen des 20. Jahrhunderts. Ihre Doktrinen prägen die Aussenpolitik der Vereinigten Staaten bis heute. Sie verstanden die Welt nicht als Ort des Dialogs, sondern als geopolitisches Schachbrett. So gesehen ist die aktuelle globale Konfliktspirale das Ergebnis eines perfiden Spiels, das von langer Hand geplant wurde.

«Holz gegen Erz?», frage ich und sehe meiner Frau in die Augen. «Erz brauch ich selbst. Aber Lehm kann ich dir anbieten», sagt sie trocken. Neben mir würfelt mein Sohn. Eine Sieben. Natürlich. Der Räuber landet wieder bei mir. Ich seufze. Zwei Strassen noch bis zur längsten Handelsroute und für die nächste Siedlung fehlen mir die Rohstoffe. Ich hänge fest. Kein Erz. Kein Fortschritt. Keine Gnade.

«Irgendwie fühlt sich das hier nicht mehr wie ein Spiel an», murmele ich. «Alle blockieren, horten, tricksen, attackieren. Wachstum auf Kosten anderer.» Meine Frau schmunzelt. «Willkommen bei ‹Siedler von Catan›.» «Oder willkommen in der echten Welt», erwidere ich. Ein Moment der Stille. Dann klappern wieder die Rohstoffe, es wird gefeilscht, gebaut, gezockt. Das Ziel ist der Sieg.

Man könnte sagen, dieses Spiel ist eine geopolitische Miniaturausgabe der Welt. Der echten und brutalen Welt. Doch in der Realität sind die Mitspieler Geostrategen, Politiker, Diplomaten, Generäle, Konzernbosse und Banker. Und ihr Spiel ist nicht so harmlos wie unseres. Es ist gefährlich, vernichtend und tödlich. Menschen sterben. Staaten fallen. Regierungen stürzen. Ressourcen werden erbeutet und Märkte manipuliert.

Doch wie bei «Siedler», gibt es auch hier Regeln, die für alle gelten. Zum einen internationales Recht und zum anderen die UN-Charta von 1945. Ein Dokument, unterschrieben von 193 Ländern, das Frieden, Sicherheit, Menschenrechte und Konfliktmanagement unter Staaten garantieren soll. Das wichtigste Gebot: Artikel 2, Absatz 4.

«Die Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede Androhung oder Anwendung von Gewalt, die gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtet ist.»

Ein Satz wie ein Fels in der Brandung.

Nun ist es aber so, dass sich einige Länder, allen voran die USA, einfach ihre eigenen Spielregeln schreiben und mit gezinkten Karten spielen. Zwei Theorien lieferten dafür den Bauplan:
Halford Mackinder, ein britischer Geograf des frühen 20. Jahrhunderts, sah das «Herzland» als Schlüssel zur Weltmacht. Dieses Herzland, mit Russland im Zentrum, rohstoffreich, schwer zugänglich, war für ihn der Dreh- und Angelpunkt globaler Kontrolle.

Nicholas Spykman, ein US-amerikanischer Stratege der 1940er-Jahre, widersprach. Nicht das Binnenland sei entscheidend, sondern dessen Rand – das sogenannte «Rimland». Der Küstengürtel Eurasiens, von Europa über den Nahen Osten bis Ostasien. Wer dieses Gebiet kontrolliert, hält das Herzland in Schach, beherrscht die Handelsrouten inklusive der Seewege, die Märkte und die Menschenmassen. Er spricht von der vollständigen globalen Kontrolle.

Diese beiden Ideen – Herzland und Rimland – wurden in den USA nicht nur diskutiert. Sie wurden zur praktischen Geopolitik. Und zwei Männer machten daraus eine über Jahrzehnte dominierende Weltordnung: Henry Kissinger und Zbigniew Brzeziński. Der eine: deutscher Jude aus Fürth, der den Holocaust überlebte und zum Machtberater im Weissen Haus aufstieg. Der andere: polnischer Diplomatensohn, der in Kanada aufwuchs und später Teil des US-amerikanischen Machtapparats wurde.

***

David Oehme ist unter der Repression der DDR aufgewachsen. Später, als Weltreisender, lernte er die Freiheit kennen – seither hinterfragt er Narrative und schaut hinter den Vorhang.


Du möchtest den ganzen Artikel lesen? Dann bestelle jetzt die 20. Ausgabe oder gleich ein Abo in unserem Shop.

Deine Meinung ist uns wichtig: Teile dich mit und diskutiere im Chat mit unseren Lesern.

Teile diesen Beitrag mit deinen Freunden