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Brückenbauer oder Brandstifter? – Unsere Erfahrung mit dem SRF

Unsere Stellungnahme zur SRF-Reportage «Im Sog der Verschwörungstheorien – wenn Misstrauen das Weltbild prägt» (ausgestrahlt am 26. Januar 2026) und zum darauffolgenden «Q&A» mit dem Soziologen und Kriminologen Dirk Baier (ausgestrahlt am 2. Februar 2026).

Am 30. November 2026 erreicht uns vom SRF-Filmemacher Donat Hofer folgende E-Mail:

Hoi liebes Team von «Graswurzle»
Hoi liebe Priska (Ich hoffe, das Du ist ok).

Ich bin Filmemacher bei SRF für die beiden Reportage-Formate «rec.» und «Reporter». Zurzeit realisieren wir eine «rec.» Reportage zum Thema «Wie gehen wir miteinander um, wenn der Blick auf Fakten/Medien/Politik/Weltgeschehen auseinandergehen».

Die Corona Pandemie hat das Vertrauen in Medien/Politik vieler Menschen verletzt. In den Medien war oft die Rede von einem gesellschaftlichen Graben. In diesem Film möchten wir (Rahel Lenz und ich) in diesen Graben, respektive über den Graben blicken. Wir wollen darüber reden, ob und wie Familien/Beziehungen/Gesellschaft noch zusammen reden können, wenn die Vorstellung davon, was richtig und falsch ist, was Fakt und Fake ist, stark auseinander geht…

Im Film wollen wir auf das gegenseitige Zuhören setzen. Auf Begegnungen auf Augenhöhe, gegenseitiges Interesse, zuhören und verstehen wollen. Das scheint uns wichtiger denn je.

Ich melde mich bei dir, weil ich von einigen spannenden Menschen und Bekannten immer wieder von der Graswurzel Bewegung gehört habe. Ich wollte dich fragen, ob du dir vorstellen könntest, Teil dieser Reportage zu sein – oder mir helfen kannst, jemanden zu finden. Sehr gerne könnten wir mal unverbindlich telefonieren…?

Danke, dass ich mich einfach so bei dir melden darf, wäre schön, von dir zu lesen.

Donat setzt, wie er schreibt, «auf gegenseitiges Zuhören und Verstehen wollen», und er verspricht eine «Begegnung auf Augenhöhe». Wäre das nicht selbstverständlich? Warum muss er das so betonen? 

Aber na ja! Jedenfalls lesen wir aus seiner Anfrage heraus, dass er sich sehr wohl bewusst ist, wie sehr das Thema spaltet, dass Corona bis anhin einseitig beleuchtet wurde und er nun einen Gegenpol setzen möchte. 

Nach viel Hin und Her finden wir einen Sendetermin um Acht Uhr morgens. Der Filmemacher trifft eine Stunde zu spät ein. Der Dreh beginnt. Donat befragt uns penetrant, bestreitet immer wieder unseren sachlichen Argumente, obwohl er offensichtlich schlecht informiert ist. Gut fünf Stunden später ist es vorbei. Wir sind völlig erschöpft.

Nach einer Denkpause melden wir ihm, dass wir die Zusage zu dieser Reportage wieder zurückziehen, denn von «zuhören und verstehen wollen» war nicht viel zu spüren: Hingegen viele Vorurteile, verurteilende und herabwürdigende Aussagen seinerseits. 

Donat Hofer zeigt sich einsichtig. Es tue ihm leid, er möchte verstehen, was er falsch gemacht habe und beteuert, er wolle wirklich Brücken bauen, statt Gräben zu vertiefen. Eine Aussprache folgt, eine weitere Nachricht, in der er Fehler eingesteht, in der er beteuert, dass er uns ganz sicher nicht als Verschwörungstheoretiker darstellen möchte, sondern wirklich unsere Perspektive zu verstehen sucht. 

Er spricht davon, dass er mit dem Film den Dialog fördern und festgefahrene Muster in der Gesellschaft aufbrechen möchte … Ein «Film mit Herz und Aloha» solle es werden. 

Wir bleiben im Zweifel. 

Donat meldet sich wieder, mit ausführlichen, langen E-Mails, Anrufen, Whatsapp-Nachrichten. Er schickt sogar ein Foto von seinem Sohn am Strand in Badehose … Was nicht gerade nach professioneller, journalistischer Distanz aussieht, sondern nach einer fragwürdigen Taktik, um unser Vertrauen zu gewinnen.

Relevant für unsere Entscheidung, trotzdem weiterzumachen, sind seine Beteuerungen: «Kern der Reportage sind die Fragen ‹Warum verlieren immer mehr Menschen das Vertrauen in etablierte Institutionen wie Medien, Politik und Wissenschaft – was bedeutet dieser Vertrauensverlust für das Leben dieser Menschen … wem vertrauen sie, was ist ihr Wunsch an ‹die Gesellschaft› und wie wirkt sich der Vertrauensverlust auf Beziehungen aus?»

Er beteuert auch, dass er die Angst verstehe, als Andersdenkende als «die Komischen» abgestempelt zu werden – das wolle er und sein Team auch nicht. Sie glauben an die persönliche Begegnung und an ehrliche Begegnungen auf Augenhöhe. Man solle die gegenseitige Sympathie und Offenheit spüren, diese trage den Film. 

Es gehe nicht ums Verurteilen, es gehe ums Verstehen. Und sogar fett markiert: «Ich will Brücken bauen, keine Gräben.»

Der einzige Knackpunkt sei, dass er gezwungen sei, kritische Fragen zu stellen, schreibt Donat. Dies wolle er jedoch mit Herz und Menschlichkeit machen. 

Naja, kritische Fragen sind kein Problem für uns …

Er schreibt weiter, dass er sich als Macher und Gestalter des Filmes seiner Verantwortung bewusst sei und uns versichern könne, dass er ihn sorgfältig, nach seinen publizistischen Leitlinien und mit guten Absichten machen werde. 

Aber wie die Leute darauf reagieren werden, das läge nicht in seinen Händen … 

Im Nachhinein wissen wir, heuchlerisch diese Zeilen waren. 

Wir stimmen zu, jedoch unter der Bedingung, dass er uns im Vorfeld informiert, welche Aussagen er für die Reportage verwendet. Und wir vereinbarten mit ihm, dass kein «Experte» darin vorkommt, der uns «einordnet» und «beurteilt».

Dazu schreibt er: «Im Film sind keine Experten vorgesehen. Wir wollen nicht mit Leuten reden, welche über die Freien & Graswurzeln reden. Sondern ich will mit euch reden.»

Die Reportage wurde dann tatsächlich ohne Expertenstimmen ausgestrahlt. Was uns Donat jedoch verschweigt, ist, was im «Q&A» zu dieser Sendung vorgesehen ist: Ein Gespräch mit dem Soziologen und Kriminologen Dirk Baier. Ausserdem werden im «Q&A» einige Fragen aus den über 2000 Online-Kommentaren zur Doku besprochen – allerdings nur solche, die uns gegenüber kritisch sind.

Angefügt muss werden, dass die Kommentarspalte wenige Tage nach der Ausstrahlung geschlossen wurde und etliche Kommentare verschwunden sind. Vom SRF zensiert! Wie war die Aussage nochmal auf der «Beizentour»? Beim SRF wird nicht zensiert …?

Der «Experte» Dirk Baier verpasst der ganzen Aktion die «Krönung», indem er die Protagonisten pathologisiert. Dadurch rückt unser Staatsfernsehen systemkritische Bürger in die Nähe von Kriminellen und Gefährdern («Demokratie zersetzend»). Dies widerspricht diametral dem ursprünglich behaupteten Ziel, «Diskussionen anzustossen» und «Brücken zu bauen». Noch schlimmer: Kritisch denkende Menschen seien entweder «narzistisch», «ungebildet» oder «fühlen sich einsam» und «können komplexe Zusammenhänge nicht nachvollziehen», kann Dirk Baier unwidersprochen verlautbaren. Diese Aburteilung widerspricht diametral dem ursprünglich behaupteten Ziel, «Diskussionen anzustossen» und «Brücken zu bauen». 

SRF zelebriert sich einmal als Wahrheitsministerium und ignoriert, dass auch wir uns auf Fakten und Experten berufen. Tatsächlich war es so, dass der Reporter Donat Hofer nicht mal Kenntnisse der geleakten RKI-Files hatte, auch war ihm die Rolle eines Bill Gates oder der WHO generell nicht bekannt. Er war sachlich unvorbereitet, wollte mit uns aber eine inhaltliche Diskussion führen. 

Die Reaktionen auf die beiden Beiträge fielen sehr unterschiedlich aus: Viel Menschen waren zutiefst empört darüber. Andere finden sie – gemessen an den Erwartungen ans SRF – in Ordnung. Wieder andere werfen uns vor, uns überhaupt mit dem SRF eingelassen zu haben. 

Warum wir uns dafür entschieden haben, es nicht bereuen und es wieder tun würden: 

– Das SRF ist auch unser Fernsehen. Auch wenn wir es kaum bis gar nicht konsumieren, haben wir ein Recht darauf, dass unsere Stimme darin vertreten ist. Schliesslich bezahlen auch wir Serafe-Gebühren.

– Das SRF hat einen öffentlichen Auftrag im Rahmen des sogenannten «Service public» und ist publizistischen Leitlinien verpflichtet. Wir erwarten, dass diese eingehalten werden. Werden dieses Standards verletzt, sehen wir uns im Recht, dies öffentlich zu machen und Beschwerden einzuleiten. Das haben wir in erster Linie bei der Ombudsstelle auch getan.

– Uns war bewusst, dass diese Reportage in einem Zusammenhang mit der Halbierungsinitiative steht. Wir gaben dem SRF die Chance, unter Beweis zu stellen, dass es zu ausgewogener Berichterstattung und objektivem Journalismus fähig ist. Das Urteil, ob es diese Chance vertan hat, überlassen wir euch.

– Donat Hofers Aktion ist entlarvend für die nicht integre Vorgehensweise des Schweizer Fernsehens. Wir haben es nun schwarz auf weiss, mit welchen manipulativen und unehrlichen Methoden dort gearbeitet wird.

– Die Doku und das darauffolgende «Q&A» hat viel Staub aufgewirbelt und die Diskussion über die Corona-Politik und andere problematische Themen wieder entfacht. Das halten wir für überaus wichtig, denn ein Einschlafen der Debatte dient nur denen, die kritische Fragen unter den Teppich kehren möchten.

Wie wir als Gesellschaft weitergehen, ist eine zentrale Frage, die uns noch lange beschäftigen wird. Auch wenn hier das Brückenschlagen nicht wirklich gelungen ist, werden wir weiterhin offen sein für Dialog. Graswurzle wird sich weiterhin für einen friedlichen Wandel einsetzen, für eine Weiterentwicklung des Bewusstseins und für die lückenlose Aufarbeitung der Verbrechen an der Menschheit.

Denn: Wie oft haben wir uns selbst verleugnet, um dazuzugehören? Wie oft haben wir uns angepasst, um nicht aufzufallen? Wir erheben unsere Stimme nicht, um gemocht zu werden, sondern um uns selbst treu zu sein. 

Unsere Werte, die neuen Erkenntnisse und die Wahrheit sollen nicht länger am Rand stehen – sie gehören in die Mitte der Gesellschaft! Sie gehören nicht in den Untergrund, sondern ans Licht. 


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