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Absurdistan spricht deutsch 

Der neue heisse Scheiss in Deutschlands Städten. Waffenverbotszonen – an Bahnhöfen, auf Weihnachtsmärkten, jetzt auch im Nahverkehr. Als Placebo für die verunsicherte Bevölkerung. Dummerweise gehört auch Pfefferspray dazu. Eine ängstliche Frau, die damit erwischt wird, muss zahlen. In Hamburg kostet das bis zu 10’000 Euro. 

In Darmstadt jagte die Polizei alle Fahrgäste aus dem Tram und durchsuchte sie auf Waffen. Ein 12-Jähriger wurde gefragt, ob er eine Bastelschere im Ranzen habe. 

Fehler erkannt? Willkommen in Absurdistan formerly known as Deutschland. Das war mal mein Land. Seit 15 Jahren lebe ich in Österreich, dem Heimatland meiner Mutter – mit wunderbarem Ausblick auf «bad old Germany». 

Und ich kann nicht wegsehen. Ein Unfall in Zeitlupe. Und es hört nicht auf zu knallen auf der Autobahn des Wahnsinns. Beispiele gefällig? 

Das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen in Berlin entfernte jetzt eine kunsthistorisch wertvolle Venus-Skulptur aus dem 18. Jahrhundert. Eine Nachbildung der legendären Venus-Medici. Warum? Die Gleichstellungsbeauftragte der Behörde empfand das Kunstwerk als sexistisch und kündigte Handlungsbedarf an. Und nope, das ist kein Einzelfall. Das ist das neue deutsche Normal. 

Genau wie mit Kettenschlössern geschmückte nackte Männer, die auf Pride-Parade ihre Penisse stolz vor kleinen Kindern baumeln lassen. Wer hier kritisiert, ist ein reaktionärer Feind der Vielfalt und natürlich rechts – inzwischen das Synonym für rechtsextrem und das Totschlagargument gegen jegliche Kritik am deutschen Regime. 

Eine junge Frau aus Coburg postete kürzlich ein Bild von Exminister Lauterbach mit erhobenem rechtem Arm. Das Amtsgericht Schweinfurt erkennt einen Hitlergruss. Jetzt wird die Frau dafür bestraft … und landet in der Statistik «rechtsradikale Straftaten». Kein Witz. Dort landen auch Hakenkreuzschmierereien auf AfD-Büros. Wenn’s ums Aufblasen der Statistik geht, ist sogar die Antifa rechtsextrem. 

Und die Polizei greift rigoros durch. Satire-Memes gegen Politiker? Da steht das Einsatzkommando gerne schon im Morgengrauen vor des Rentners Tür. 

Glück haben dagegen in Deutschland Schwerkriminelle ohne kritischen Hintergrund. Gerade wurde ein Drogendealer aus der U-Haft entlassen. Nicht weil es Zweifel an seiner Schuld gab. Nein. Es gab zehn Jahre Haft wegen bandenmässigen Drogenhandels. Dummerweise schaffte es das Gericht in sechs Monaten nicht, das Protokoll fertigzustellen. Die Frist verstrich, der Angeklagte verzupft sich in die Freiheit. Auch hier: kein Einzelfall. Justiz überfordert. 

Das gilt allerdings nicht im Fall von Michael Ballweg, dem Corona-Kritiker und Gründer der «Querdenker». Er sass neun Monate wegen angeblicher Steuerhinterziehung im Knast. 

Die Richterin wollte das Verfahren mehrmals einstellen, nur die weisungsgebundene Staatsanwaltschaft wehrte sich mit Händen und Füssen. 

Dafür wurde nebenbei festgestellt, dass das Finanzamt Ballweg 200’000 Euro schuldet. Noch nicht absurd genug? Dann setz ich noch einen drauf. Ballweg bekam zwar einen Brief vom Finanzamt, allerdings eine Lohnsteuerforderung über knapp 15’000 Euro. Für den Zeitraum seiner Haft. Ende Juli dann das Ende des Spuks: Ballweg wurde in den meisten Punkten freigesprochen. 

Altmedien berichten darüber wenig. 

Dafür gerne über Demos gegen rechts, die übrigens von verschiedenen Bundesministerien oder NGOs finanziert werden, die wiederum von der Regierung Geld bekommen. Im Klartext: Die Regierung sponsert Demonstrationen gegen die Opposition. Bislang eher bekannt aus Diktaturen wie Iran oder DDR. 

Genau wie staatliche Denunziationsstellen, auch bekannt als Meldestellen. Die schiessen im autoritären Moralin-Reich Deutschland aus dem Boden wie der Spargel im Lenz. Gesinnungswarte durchforsten auf Staatskosten Netz und Nachbarn. Sogar der systemergebene DFB, der deutsche Fussballbund, stand schon im Visier der Profi-Petzer. Wegen der Rückennummer 4. Vorwurf: Die Ziffer auf dem Adidas-Trikot ähnele einer Nazi-Rune. Der DFB wies den Vorwurf zurück … und unterwarf sich in treuem germanischem Untertanentum. Das Design wurde geändert.

Beim Kollegen Boris Reitschuster fand ich dazu das passende Zitat: «Je länger das Dritte Reich tot ist», schrieb einst der Journalist Johannes Gross, «umso stärker wird der Widerstand gegen Hitler und die Seinen.»

Bei anderen Einflüssen zeigen die Deutschen dann wieder ihr tolerantes Gesicht.

Während der «Islamwoche» an der Uni Kiel wurden Frauen und Männer im Hörsaal getrennt. Die Männer nach vorne, die Frauen nach hinten. Ein Redner soll dann über Frauenzüchtigung gesprochen haben. Erst nach lautem Protest entzog die Universität der islamischen Hochschulgruppe alle Rechte.

An der Berliner Zuckmayer-Schule wurde das islamische Fastenbrechen in diesem Jahr zur Pflicht. Auch hier: Erst nach Beschwerden wurde die Teilnahme freiwillig.

Welche verquere Geisteshaltung sich in Köpfen gerade von Staatsbediensteten breitmacht, war jetzt in Köln zu beobachten. Dort wollte die Stadt sich um ihre Spielplätze kümmern. Nein, nicht um die heruntergekommenen Betonflächen selbst. Um die Bezeichnung. «Spielplatz» sei eingrenzend und nicht mehr zeitgemäss. 700 Schilder sollten geändert werden. Die ausführliche Begründung muss ich einfach zitieren:

«Insbesondere muss dem erweiterten Inklusionsgedanken, der die Diversität der Nutzer*innen in Rahmen ihres Alters, ihrer kulturellen Hintergründe und möglicher Behinderungen berücksichtigt, Rechnung getragen werden.»

Und der neue Name? Trommelwirbel … Tataaaa: «Spiel- und Aktionsfläche». Als das Gelächter immer lauter in die Domstadt schallte, kippte die Bürgermeisterin den Plan in letzter Sekunde.

Diversität, Pronomen, dey oder they … die deutsche Sprache gebiert neue Wörter im selben Tempo wie die Trans-Bewegung neue Geschlechter. Blöderweise kommen gleichzeitig noch mehr Begriffe auf den Index. Ganz böse inzwischen der Ausruf, der einst Franz Beckenbauer noch verzückt naiv über die Lippen floss: «Alles für Deutschland.» Ist verboten. Ist Hassrede. Weil es auch die Nazis benutzten. «Alles für die Ukraine» ist dagegen nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht. Selbst «Slawa Ukrajini» wird von deutschen Politikern gerne benutzt. Der Ruf bedeutet «Ruhm der Ukraine» und wurde durch ukrainische Nationalisten, die gemeinsam mit der Wehrmacht Verbrechen begingen, populär.

Doppelstandard ist der neue Goldstandard in Absurdistan. Wer Ungeimpfte als Blinddarm bezeichnet, wie es einst der Nazi-Arzt Fritz Klein mit den Juden tat, bekommt in Deutschland Preise. Sarah Bosetti erhielt bislang fünf. Darunter einen renommierten Literaturpreis.

Wer dagegen Bosettis Spruch dem des Nazi-Arztes in einem Post gegenüberstellt, der wird verurteilt, wie ein Rentner aus Bayern.

Deutschland scheint verloren für Logik und Vernunft. Ruiniert seine Wirtschaft ohne Not mit gewaltigen Stromkosten, einer Energiewende geschuldet, die vom Rest der Welt nur noch verlacht wird. «Ein gescheitertes Live-Experiment», nennen es die Schweden und überlegen gemeinsam mit den anderen skandinavischen Ländern, ihre Energieleitungen nach Deutschland zu kappen, um der Preisexplosion zu entkommen.

Die deutsche Industrie liegt am Boden oder flüchtet. Hunderttausende Arbeitsplätze geschreddert. Interessiert aber nicht. Hauptsache das Klima retten. Ganz alleine. Gegen den Rest der Welt.

Und mir reichts jetzt. «Schreib doch einen lustigen Artikel über Absurditäten», hiess es. Gut, ich denke, Letztere habe ich geliefert. Aber am Ende ist der Zustand des Landes, in dem ich geboren wurde und aufwuchs, gar nicht lustig. Er ist dramatisch. Für einen klaren Geist unvorstellbar.

Ich geh jetzt erstmal in den Wald. Abschalten und auftanken. Und dann lach ich auch wieder … über die News aus Absurdistan.

***

Milena Preradovic ist Journalistin und Moderatorin, früher RTL, SAT1, n24 und ServusTV. Seit Februar 2020 betreibt sie ihren Kanal Punkt.Preradovic mit inzwischen 140’000 Abonnenten, auf dem sie Interviews mit klugen Köpfen zu aktuellen Themen macht.


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